Jugendförderprogramm "Youth in Action" der EU
Nicht in Grenzen denken
Unterstützung bei Projekten für junge Europäer, die aktiv werden wollen

„Youth in Action“, auch bekannt als „Jeunesse en action“, ist ein Jugendförderprogramm der Europäischen Union. Von 2007 bis 2013 stehen insgesamt 886 Millionen Euro zur Verfügung, um die Jugend und ihre Ideen nicht nur innerhalb der Grenzen Europas, sondern auch darüber hinaus zu fördern. Ziel des Programms ist es, Solidarität und Toleranz zu wecken, europäische Erfahrungen zu ermöglichen und jungen Menschen zwischen 13 und 30 die Chance zu geben, selbst für die Zukunft Europas aktiv zu werden. Große Pläne, keine Frage. Nur die Umsetzung könnte etwas schwieriger werden.

Dafür, dass die Utopien Realität werden, ist Cliff Hever da, von Beruf „Project Officer“ beim „Service National de la Jeunesse“ (SNJ). Eine ziemlich vage Bezeichnung, die alles oder nichts umfassen kann. In Hevers Fall so ziemlich alles. Er arbeitet zwar beim SNJ, kümmert sich aber vorrangig um die „Youth in Action“-Projekte in Luxemburg, ist also für die nationale Agentur zuständig, die im SNJ inbegriffen ist. Eine solche Agentur gibt es in jedem Land.
Ideenvielfalt

Alle Agenturen unterstehen der Europäischen Kommission, welche die Schirmherrschaft des Programms innehat und das Budget stellt. Jedes Land bekommt jährlich eine bestimmte Geldsumme zugestanden, mit denen dann die vielversprechendsten Jugendprojekte finanziert werden. An dieser Stelle kommt Hever ins Spiel: Alle Projektideen landen über kurz oder lang auf seinem Schreibtisch. „Meine Rolle besteht darin, die Jugendlichen, die eine Anfrage gestellt haben, bei ihrem Projekt zu betreuen, und ihnen beim Ausbauen der Ideen zu helfen“.

Wenn ein Projekt den Dschungel der Formulare und Dokumente überstanden hat, entscheidet eine Jury, welche Projekte prioritär finanziert werden. Die Ausführung sollen die jungen Menschen selbst übernehmen. Die überbordende Vielfalt an kreativen Entwürfen und optimistischen Ideen lassen sich vereinfachend in verschiedene Kategorien einteilen.

Wie funktioniert Demokratie? Auf diese Frage gehen die Jugenddemokratieprojekte ein. „Aber nicht theoretisch und staubtrocken, sonder auf lockere Art und Weise“, so Hever. Ein bestehendes Projekt griff zum Beispiel die Frage auf, wie junge Menschen ihre Rechte innerhalb einer Gemeinde zum Tragen bringen können. Jugendliche und Bürgermeister aus mehreren europäischen Gemeinden schlossen sich zusammen, um über allgemeine Fragen zu diskutieren.

Konkret: Schränkt es mein Bürgerrecht ein, wenn ich auf diese Wand kein Graffiti sprayen darf? Wie kann ich meine Rechte durchsetzen? Diesem Programm liegt das Prinzip zugrunde, dass in jedem Land Demokratie ein bisschen anders funktioniert, die Grundstrukturen jedoch dieselben sind. Besonders in Europa erlaubt es die Vielfalt an Staaten, von anderen Systemen zu lernen, um sich später selbst stark zu machen und als Bürger aktiv zu werden.

Noch aktiver können die jungen EU-Bürger im Rahmen der politischen Projekte werden. Am Beispiel des luxemburgischen Jugendparlaments, ein von „Youth in Action“ unterstütztes Projekt, wird deutlich, dass in dieser Kategorie der Dialog zwischen den Jugendlichen und der politischen Führung im Vordergrund steht. Die Vorstellungen der jungen Generation sollen artikuliert und den Politikern präsentiert werden, damit die Botschaft der Jugend ihr Ziel auch erreicht.
Learning by doing

„Beim Austausch kommen Jugendliche aus verschiedenen Ländern zusammen, um gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten“. Hever gibt ein Beispiel: „Angenommen, man übt zusammen ein Theaterstück ein, welches auf Rassismus eingehen könnte“. Durch gemeinsame Erlebnisse lernen sich die Jugendlichen kennen, merken, dass, egal wie viele Kilometer sie geografisch trennen, ihre Interessen nicht weit auseindanderliegen.

Die Begegnung mit Gleichaltrigen verschiedenster Herkunft doch gleicher Interessen macht aufgeschlossen und immun gegen Klischees. Und diese Erfahrungen können die jungen Menschen ihren Mitbürgern nachher in ihrem Heimatland vermitteln.

Um sich für die Sparte der Jugendinitativen zu qualifizieren, „braucht es nicht mehr als mindestens vier Leute und eine Idee“, ermutigt Hever. Ob es der Dreh eines Kurzfilms ist, die Gestaltung einer Internetseite oder etwas Handwerkliches – die Jugendlichen werden dabei unterstützt, auf eigene Faust etwas zu erreichen.

Da sie das Projekt mit der finanziellen Rückenstärkung größtenteils selbst übernehmen, eignen sie sich automatisch die Fähigkeiten des selbstständigen Arbeitens, der Einteilung der Aufgaben oder des Verantwortungsbewusstseins an. Die Angst, selbst die Initiative zu ergreifen, wird ihnen genommen.

Stattdessen wird das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt. Zwei weitere Projekte beschäftigen sich jeweils mit dem europaweiten Austausch von Erwachsenen, die mit Jugendlichen arbeiten (Jugendarbeiter und Erzieher), respektive um die Kommunkation von europäischen Jugendlichen mit jungen Menschen aus Ländern außerhalb Europas (Afrika, Balkan, Mittelmeer).

Bei allen Programmen ist das Ziel jedoch dasselbe: Sich kulturell und sozial austauschen, nicht-formell lehren und lernen, teilen, Erfahrungen inner- und außerhalb von Europa sammeln, sich verstehen und akzeptieren, zusammenarbeiten. „Youth in Action“ beweist, dass es Dinge gibt, die man nicht in der Schule lernt, sondern die man erlebt haben muss. Und jeder einzelne kann seinen Teil dazu beitragen, indem er zum aktiven Bürger wird. Cliff Hever resümiert: „Das Programm bedeutet, nicht in Grenzen zu denken.“ Und weder vor Barrieren der Nationalitäten oder Länder noch vor Grenzen der Möglichkeiten zurückzuschrecken.