Affäre „Bommeleeër“
Tatbestände sind nicht verjährt
Nebenklage: Staatsanwaltschaft schreibt mögliche Zivilparteien an

In dem bevorstehenden „Bommeleeër“-Prozess müssen sich die beiden beschuldigten Ex-Gendarmen, Marc Scheer und Jos Wilmes, wegen 19 Taten verantworten. „Dabei geht es um die verschiedenen Attentate und natürlich die Folgen, die daraus resultierten“, betonte am Freitag Justizsprecher Henri Eippers gegenüber dem „Luxemburger Wort“. Verjährt sind die Taten nicht, da die Ermittlungen seit 1987 quasi nie still standen und das Gesetz in dem Fall eine Unterbrechung der Verjährungsfrist vorsieht.

19 Taten werden den beiden Beschuldigten zur Last gelegt. Den Tatbestand des Attentats sieht das Strafgesetzbuch zwar nicht vor, allerdings müssen sich die beiden beschuldigten Ex-Mitglieder der „Brigade mobile de la Gendarmerie“ wegen der Taten selbst und ihrer mittelbaren Folgen nun vor Gericht verantworten. In der Anklageschrift seien nämlich gleich mehrere Tatbestände aufgelistet, erklärte Eippers. Diese gingen über Brandstiftung und Sachbeschädigung bis hin zur versuchten Körperverletzung. Wegen der speziellen Umstände, sprich Attentate, stünden gleich mehrere Artikel des Strafgesetzbuches im Raum, hieß es weiter.
"Ermittlungen standen nie still"

Verjährt sind die Taten, die zwischen Januar 1984 und März 1986 das ganze Land in Atem hielten, trotz der dazwischenliegenden Jahrzehnte nicht. Zwar ist in strafrechtlicher Hinsicht eine Frist von zehn Jahren vorgesehen, allerdings sieht das Gesetz eine Unterbrechung, bzw. Aussetzung der Frist vor, falls immer wieder Ermittlungen oder entsprechende Handlungen in dem Dossier vorgenommen wurden. „Und die Ermittlungen standen seit 1987 nie still. Abgeschlossen wurden sie von der Untersuchungsrichterin am 8. Januar 2010“, so der Justizsprecher.

Ein genaues Prozessdatum kann derzeit nicht genannt werden. Allerdings werden sich wohl etliche Zivilparteien der Anklage anschließen, erlitten bei den Anschlägen doch Unternehmen und Privatpersonen großen Sachschaden. Neben etlichen Einbrüchen in Gipsstollen und Steinbrüchen wurden u.a. Strommasten zerstört und Gebäude schwer beschädigt. Bei Sachschaden oder moralischem Schaden könnten eben jene betroffene Personen oder Unternehmen als Nebenkläger auftreten. Diese werden in Kürze von der Staatsanwaltschaft angeschrieben.
Rechtsbeistand

Scheer und Wilmes wurden am 23. November 2007 wegen der Anschlagserie verhaftet und am Folgetag der Untersuchungsrichterin vorgeführt. Die beiden Ex-Gendarmen wurden, nachdem sie zwölf Stunden verhört und wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, vom Dienst suspendiert. Marc Scheer wird von Me Gaston Vogel vertreten, während Jos Wilmes inzwischen Me Lydie Lorang zum Rechtsbeistand genommen hat.