Großherzogin Marie-Adelheid

Junge, glücklose Monarchin



Vor hundert Jahren starb Wilhelm IV. und seine älteste Tochter folgte auf den Thron




Die Prinzessin mit ihren jüngeren Schwestern.


(if) Als Großherzog Wilhelm IV. am 25. Februar 1912 starb, erbte seine erst 18-jährige Tochter Marie-Adelheid den Thron. Sie blieb sechseinhalb Jahre Großherzogin von Luxemburg - eine Amtszeit geprägt von innen- und außenpolitischen Krisen.

Marie-Adelheid kam 1884 als erste der sechs Töchtern von Wilhelm IV. und Maria Anna von Bragança zur Welt. Dies war nicht einmal vier Jahre nachdem Luxemburg einen eigenen Monarchen - den damals 73-jährigen Großherzog Adolph - erhalten hatte. Marie-Adelheids Vater folgte 1905 auf den Thron und änderte das Thronfolgerecht zugunsten seiner Töchter und deren Nachkommen.


Marie-Adelheid wurde früh auf die Rolle als Großherzogin vorbereitet und auf Wunsch der Mutter katholisch erzogen.


Regentin - nicht Repräsentationsfigur

Anders als ihr Vater und Großvater war Marie-Adelheid bestrebt, nicht nur Repräsentationsfigur zu sein, sondern aktiv Regierungsgewalt auszuüben.
Mit einigen ihrer Entscheidungen löste sie schwere innenpolitische Zerwürfnisse aus: Sie unterschrieb ein umstrittenes Schulgesetz erst nach langer Überlegung, verweigerte die Ernennung von links-stehenden Personen in Staatsämter und als nach dem Tod des langjährigen Staatsministers Paul Eyschen eine Regierungskrise ausbrach, löste sie die Abgeordnetenkammer auf. Auch außenpolitisch verschärfte sich die Lage: 1914 marschierten die Deutschen in Luxemburg ein - die Regierung und die Großherzogin protestierten zwar, hielten aber an der Neutralitätspolitik der Vorkriegszeit bei.


Die Monarchin galt als scheu und melancholisch.


Thronverzicht und Auswanderung nach Italien

Nach dem Abzug der deutschen Truppen 1918 kam es zu revolutionären Unruhen, einem missglückten Putsch und dem Versuch die Republik auszurufen - der schwer kritisierten Marie-Adelheid blieb keine andere Wahl, als der Thronverzicht zugunsten ihrer 23-jährigen Schwester Charlotte. Diese war nicht auf das Amt der Großherzogin vorbereitet worden, überzeugte die Luxemburger aber mit ihrer spontanen und natürlichen Art und die Bevölkerung entschied sich im Referendum 1919 für die Beibehaltung der Monarchie.

Marie-Adelheid verließ Luxemburg, trat in einen katholischen Orden in Italien ein und pflegte Alte und Kranke in Rom. Schließlich zog sie, schwer erkrankt, zu ihrer Mutter auf das Schloss Hohenburg, wo sie im Alter von nur 29 Jahren starb. Ihr Leichnam liegt heute in der Krypta der Kathedrale in Luxemburg.