Menschenhandel in Afrika Babyfabriken züchten Kinder für Verkauf

Die Mädchen waren ungewollt schwanger – oder fürchteten es zumindest. Da kam Hilfe in weißen Kitteln. Ärzte versprachen ihnen eine Untersuchung, für den Fall des Falles eine Abtreibung...

Unzählige Mädchen wurden so Nigeria in Kliniken gelockt. Dort wurden sie vergewaltigt, festgehalten. Wehrlos mussten sie Kinder zur Welt bringen, damit die Mediziner die Neugeborenen gleich nach der Geburt verkaufen konnten. Das neueste miese Geschäftsmodell afrikanischer Babyhändler!

Ortstermin in Enugu (Nigeria). Tagsüber war in der Frauenklinik niemand zu sehen. Sogar die Rollladen waren unten. Erst am Abend beobachteten Nachbarn das geschäftige Treiben. Immer wieder gingen Mädchen und schwangere Frauen in das zweistöckige Gebäude, suchten Hilfe. Doch danach blieben die Patientinnen oft wochen- manchmal sogar monatelang verschollen.


Im Mai bekam die Polizei einen Tipp. Razzia! Ermittler stürmten das Anwesen, befreiten 20 junge Frauen. Bei Nachforschungen fanden die Beamten heraus: In dieser Klinik wurden Kinder „gezüchtet“.

Eine Frau (18), die unerkannt bleiben mochte, packte aus: „Sobald ich im Krankenhaus war, bekam ich eine Spritze. Ich verlor das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, merkte ich, dass ich vergewaltigt worden war.“

Als die 18-jährige mit ihrer Familie telefonieren wollte, schlug sie ein Arzt ins Gesicht, lachte nur. Das Opfer musste mit 19 weiteren Leidensgenossinnen ein Zimmer teilen. Pervers: Mediziner luden in der Zeit junge Männer ein, um die Frauen zu schwängern, die noch gar nicht schwanger waren.

Enugus Polizeichef Desmond Ag: „Als wir das Krankenhaus durchsucht haben, fanden wir vier Frauen, die schon bis zu drei Jahre in der Klinik verbracht hatten, um Babys zu züchten.“ Die mittellosen Teenager mussten ein Kind nach dem anderen austragen.

Nach der Geburt erhielten die Frauen rund 135 Euro für die Neugeborenen. Nach Angaben der nigerianischen Organisation gegen Menschenhandel (NAPTIP) wurden die Babys für umgerechnet 2 000 bis 3 000 Euro weiterverkauft.

Brisant: In den letzten Monaten deckten die Behörden ein ganzes Netzwerk solcher Kliniken in Nigeria auf – von der örtlichen Presse „Babyfarmen“ oder „Babyfabriken“ genannt.

Der Handel mit Menschen ist ein einträgliches Geschäft und die Dunkelziffer hoch. Allein in Nigeria werden täglich mehr als zehn Kinder verkauft. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden weltweit Milliarden von Euro mit dem Verkauf von Menschen umgesetzt.