Die mächtigsten Energie-Manager der Welt versprechen in BILD Gas wird billiger!
... aber leider nur vorübergehend


Endlich mal eine gute Nachricht für die rund 20 Millionen Gaskunden in Deutschland: Die Gaspreise gehen nächstes Jahr runter! Das versprechen die Vorstandschefs von E.on und Gazprom im BILD-Interview. Wegen des Ölpreis-Einbruchs wird auch Sprit immer billiger und kostet teilweise unter 1 Euro.

Die beiden mächtigsten Energie-Manager haben erstmals gemeinsam ein Interview gegeben. In BILD sprechen E.on-Chef Wulf Bernotat und Gazprom-Chef Alexei Miller über Gaspreise, Wirtschaftskrise und die Energiemacht Russland:

BILD: Der Ölpreis ist um mehr als 60 Prozent abgestürzt. Wann zieht der Gaspreis endlich nach?
Bernotat: Wegen der Ölpreisbindung folgt der Gaspreis dem Ölpreis, aber mit einer Verzögerung von etwa sechs Monaten. Im nächsten Jahr werden die Gaspreise auf breiter Front zurückgehen. E.on wird im Februar und noch mal im April die Preise senken. Im Übrigen: Als die Ölpreise bis Mitte des Jahres auf Rekordhöhen geschossen sind, sind die Gaspreise lange Zeit stabil geblieben. Ölpreisbindung ist also keine Einbahnstraße.

Miller: Dank dieses Preisbildungssystems können der Gasverkäufer und der Gaskäufer ihre Geschäftsaktivitäten genau planen, indem sie schon im Vorfeld wissen, wie hoch die Preise liegen werden.

BILD: In der Rezession sinkt die Nachfrage nach Energie. Warum sinken jetzt nicht auch die Preise?

Bernotat: Wir sind gerade erst am Beginn einer Rezession. Noch weiß niemand, wie sich das auf Energieverbrauch und Preise auswirken wird. Das wird auf jeden Fall nicht von heute auf morgen sein. Schon deshalb nicht, weil der Energieverbrauch auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht so stark zurückgeht. Einen Autokauf kann man verschieben – auf Strom und Wärme möchte niemand verzichten.

BILD: Wie entwickeln sich die Energiepreise in der Zukunft?
Miller: Wenn wir von der langfristigen Preisentwicklung sprechen, so kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Ära des billigen Erdgases der Vergangenheit angehört. Bei Erdgas wird es kein Zurück zu dem Preisniveau geben, auf dem wir vor 5 oder 10 Jahren waren. Der Grund hierfür ist simpel: Der globale Bedarf an Energieressourcen steigt, während die Anzahl von erschließbaren Erdöl- und Erdgasfeldern weiter zurückgeht.

Bernotat: Grundsätzlich glaube ich, dass Energie in Zukunft eher knapper und deshalb nicht billiger wird. Länder wie China, Indien und Russland sorgen für einen wachsenden Energiehunger, der immer schwieriger zu befriedigen ist. Die intelligenteste Lösung ist, neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien, die Einsparung von Energie, z. B. durch moderne Kraftwerke, verbrauchsarme Autos und wärmegedämmte Gebäude.

BILD: Herr Miller, können Sie verstehen, dass viele Menschen vor der Gas-Macht Russland Angst haben?

Miller: Ja, wir wissen, dass viele Menschen Angst vor unserer Größe haben und uns oft mit gefährlichen und tollpatschigen Bären vergleichen. Wobei dies eigentlich ein gelungener Vergleich ist. Denn der Bär ist ein zärtlicher Vater und hat einen ausgeprägten Familiensinn; in der Natur hat er gar keine Feinde. Er ist nicht bestrebt, jemanden zu verletzen, solange man ihn nicht stört. Insofern sollten diejenigen, die Russland und Gazprom mit einem Bären vergleichen, die einschlägigen Kapitel im Lexikon aufmerksamer lesen. Ja, wir sind Bären! Aber was ist denn Schlimmes daran?

BILD: Herr Bernotat, machen wir uns zu abhängig von Russland?

Bernotat: In den mehr als 35 Jahren, in denen wir von Russland Gas beziehen, gab es nie Probleme. Weder in Zeiten des Kalten Krieges noch während der Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. Russland war immer ein absolut verlässlicher Partner. Beide Seiten brauchen sich: Wir brauchen das Gas aus Russland und Russland braucht die Abnehmer in Deutschland sowie in Europa.
BILD: Ist Energie das neue politische Machtmittel des 21. Jahrhunderts?

Miller: Nein, so was ist grundsätzlich gar nicht möglich. Wir haben feste Verpflichtungen aus langfristigen Verträgen. Wir bestimmen den Preis nicht selbst, sondern er wird nach einer Formel automatisch berechnet. Die Liefermengen sind für viele Jahre im Voraus festgelegt. Wenn du für das Gas zahlst, dann wirst du auch welches haben. Wenn du es aber nicht bezahlst bzw. keinen Vertrag hast, dann gibt es auch kein Gas.

Bernotat: Energie ist das „Brot“ des 21. Jahrhunderts. Ob wirtschaftliche Entwicklung, politische Stabilität, Klimawandel oder persönlicher Komfort, alles dreht sich um die Energiefrage. Wer in diesem globalen Zusammenspiel Energie als Machtmittel missbraucht, isoliert sich von der internationalen Gemeinschaft und gefährdet seine eigene wirtschaftliche Existenz.

BILD: Ist es vorstellbar, dass es Kriege um Energie gibt?

Miller: Heutzutage gibt es keinerlei Voraussetzungen für solch ein düsteres Szenario. Alle strittigen Fragen, die zwischen den Global Playern der Energiemärkte entstehen, können auf dem Verhandlungswege ausdiskutiert werden. So muss es auch sein! Und ich hoffe, dass es auch immer so bleiben wird!
Bernotat: Ich sehe eher eine andere Entwicklung. Gerade die jüngsten Herausforderungen wie Klimawandel, knappe Ressourcen und Preisentwicklung haben gezeigt, dass Energie ein globales Thema ist. Wir sehen überall ein zunehmendes Bemühen, diese Herausforderungen auch global zu lösen – durch Dialog und Verständigung, nicht durch Waffen. Ich habe große Hoffnung, dass sich die USA unter dem neuen Präsidenten noch stärker in diesen Prozess einbringen werden. Es wird also meiner Meinung nach mehr internationale Zusammenarbeit und Partnerschaften geben, so wie die zwischen E.on und Gazprom.

BILD: Droht eine neue Weltwirtschaftskrise?
Bernotat: Die Situation ist sicher ernst, aber wir dürfen auf keinen Fall in Panik geraten. Dazu besteht auch kein Grund. Die Weltwirtschaft steht heute auf vielen starken Beinen. Früher waren es die USA und Europa, heute kommen Asien und Russland dazu. Wir sehen erstmals in der Politik eine Zusammenarbeit nahezu aller Regierungen bei der Bewältigung der Krise. Deshalb bin ich eher zuversichtlich, dass wir die kommenden schwierigen Jahre relativ gut überstehen können.

Miller: Die Zeit, in der wir heute leben, ist sehr instabil, und wir verfolgen aufmerksam die Entwicklung der Weltwirtschaft. Wir wollen uns aber auf das eigene Geschäft und die täglichen Herausforderungen konzentrieren. Wir wissen, dass die Welt Energie immer brauchen wird, und so werden wir unsere Kunden auch in Zukunft erfolgreich mit Energie versorgen, wie wir es schon in den vergangenen Jahrzehnten gemacht haben.