Job-Bilanz Erstmals seit 1928 im März mehr Arbeitslose
Frühjahrsbelebung bleibt aus - OECD rechnet mit 5 Millionen Arbeitslosen

Das hat seit Beginn der Arbeitsmarkt-Aufzeichnungen 1928 nicht gegeben! Im Monat März ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland gestiegen. Die sonst übliche Frühjahrs-Belebung blieb komplett aus. Die Krise schlägt immer mehr auf den Arbeitsmarkt durch.

Derzeit sind exakt 3,586 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Das sind 34.000 mehr als im Vormonat und 78000 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 8,6 Prozent.

Der erstmalige Anstieg der Arbeitslosenzahl in einem März überhaupt kam auch für die BA unerwartet. „Das Datum hat überrascht“, sagte der Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise .

Mit dem Einsetzen der Frühjahrsbelebung war in früheren Jahren im März die Arbeitslosigkeit immer gesunken. In der Regel steigt dann die Beschäftigung in den Außenberufen. Dies werde in diesem Jahr „überlagert durch die konjunkturelle Entwicklung“, sagte Weise.

Einen noch stärkeren Anstieg der Arbeitslosenzahl verhinderte die Kurzarbeit.

„Die drei wichtigsten Indikatoren des Arbeitsmarktes entwickelten sich negativ: Die Arbeitslosigkeit stieg, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm ab, und die Arbeitskräftenachfrage ging weiter zurück“, sagte der BA-Chef.

Grund ist die schwere Rezession, in der sich die deutsche Wirtschaft befindet.

„Auch in der zweiten Jahreshälfte wird es noch keine Belebung geben", sagte Weise in Nürnberg. Eine Entspannung sei frühestens 2010 zu erwarten.

Aber ob der Aufschwung dann schon einsetzt, ist ungewiss. Die OECD ist skeptisch.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat aus Anlass des Weltfinanz-Gipfels in London ein Sondergutachten für Deutschland herausgegeben.

Danach wird die Wirtschaft aufgrund einbrechender Exporte und Investitionen in diesem Jahr um 5,3 Prozent schrumpfen. Auch für das nächste Jahr ist keine Entwarnung in Sicht. Die Zahl der Arbeitslosen wird laut OECD vor allem 2010 stark zunehmen und im Jahresschnitt fünf Millionen erreichen.

OECD Chef-Volkswirt Klaus Schmidt-Hebbel sagte, ein noch düsteres Szenario sei wahrscheinlicher als eine schnelle Erholung.