+++Krisenticker+++ IWF verkauft mehr als 400 Tonnen Gold
Erneut zwei Banken in den USA geschlossen +++ Venezuela plant Staatsausgaben gegen Krise +++ HWWI fordert mehr Kurzarbeit


TOPMELDUNG – IWF finanziert Beistandskredite mit Verkauf von Gold: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den Verkauf von 403,3 Tonnen Gold gebilligt, um mit dem Erlös Beistandskredite für die ärmsten Länder der Welt zu finanzieren. Dies entspricht etwa einem Achtel der Goldreserven des IWF. Die Weltfinanzorganisation verfügt nach den USA und Deutschland über die drittgrößten Goldreserven, soweit diese offiziell bekannt sind. Das Edelmetall soll so verkauft werden, dass keine Turbulenzen im internationalen Handel entstehen. Ein Teil geht an interessierte Zentralbanken der Mitgliedsländer. Der übrige Teil soll in mehreren Tranchen auf den Rohstoffmärkten verkauft werden.

10.24 Uhr – Washington will Änderung von Googles Buch-Deal: Der Internet-Konzern Google bekommt bei seinen Plänen im Buchgeschäft nun auch Gegenwind von der US-Regierung. Das amerikanische Justizministerium rief das zuständige Gericht auf, eine Vereinbarung zwischen Google und der US-Buchbranche abzulehnen. Das Ministerium habe unter anderem Urheberrechts- und Wettbewerbs-Bedenken, hieß es in einer Stellungnahme. Allerdings stellte sich Washington nicht grundsätzlich gegen die Vereinbarung, die das Einscannen von Millionen von Büchern durch Google regeln soll, sondern rief die Beteiligten auf, die Bedenken möglichst schnell auszuräumen.

10.12 Uhr – Bundesbank will neu Eigenkapitalregeln erst nach Krise: Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler hat mit Blick auf den anstehenden Weltfinanzgipfel erneut Besonnenheit bei der Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen der Banken gefordert. „Wer das Risiko einer Kreditklemme vermeiden will, darf nicht vor gesicherter Überwindung der Krise die generellen Eigenkapitalanforderungen verschärfen“, sagte Zeitler im bayerischen Grainau. Zwar stehe das Thema Eigenkapital „im Grundsatz zu Recht“ auf der Agenda der G-20-Staats- und Regierungschefs Ende kommender Woche in Pittsburgh, da höhere Eigenkapitalanforderungen das Finanzsystem robuster mache. Eine abrupte Erhöhung würde jedoch nach Ansicht der Bundesbank und vieler Fachleute die Banken zu stark belasten und den ohnehin wegen der Krise stark beeinträchtigten Kreditfluss im schlimmsten Fall versiegen lassen.

9.24 Uhr – Polizei vermutet Selbstmord bei betrugsverdächtigem Investor: In den USA hat ein des Betrugs verdächtiger Investor nach Einschätzung der Polizei offenbar Selbstmord begangen. Die Ermittler gingen Hinweisen auf eine Selbsttötung des 42-jährigen Danny Pang nach, erklärte die Polizei von Newport Beach bei Los Angeles. „Es scheint Selbstmord zu sein.“ Die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchungen lägen aber erst in zwei bis drei Monaten vor. Pang wird verdächtigt, wie sein Kollege Bernard Madoff ein Schneeballsystem aufgebaut und vor allem Anleger aus Taiwan um Millionen Dollar betrogen zu haben.

7.49 Uhr – Chancen älterer Arbeitnehmer verbessern: Die Caritas hat die Pläne zur Rente mit 67 kritisiert und gefordert, ältere Arbeitnehmer nicht länger auf dem Arbeitsmarkt zu benachteiligen. Der neuen „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Caritaspräsident Peter Neher, die Rente mit 67 halte er nur dann für sinnvoll, wenn ältere Arbeitnehmer auch Chancen im Arbeitsmarkt hätten und entsprechend qualifiziert würden. „Sonst wird es zu einer kalten Rentenkürzung kommen, weil die Menschen gar nicht bis 67 arbeiten können, da niemand sie bis zu diesem Alter beschäftigt.“ In diesem Fall drohe Altersarmut.

7.22 Uhr – Sberbank hält Opel-Geschäft ohne Technologie-Transfer für wertlos: Die russischen Partner des Opel-Käufers Magna pochen auf einen Zugriff auf die Technologie des Rüsselsheimer Autobauers. Ohne einen Transfer des technischen Wissens nach Russland sei das Geschäft wertlos, betonte Sberbank-Chef German Gref am Rande einer Wirtschaftskonferenz in Sotschi. „Wenn es keinen Import der Technologien gibt, dann würde das bedeuten, dass die Vereinbarung reine Zeitverschwendung ist.“ Die staatlich kontrollierte Bank steigt gemeinsam mit dem kanadischen Zulieferer bei Opel ein. Der bisherige Mutterkonzern General Motors hat Verhandlungskreisen zufolge bei der Zusage an das Konsortium den Technik-Transfer eingeschränkt.

7.21 Uhr – Erneut zwei Banken in den USA geschlossen: Im Zuge der Finanzkrise sind in den USA erneut zwei Banken pleite gegangen. Wie der US-Bankengarantiefonds FDIC mitteilte, meldeten die Irwin Union Bank and Trust Company mit Sitz in Colombus im Bundesstaat Indiana und die Irwin Union Bank FSB mit Sitz in Louisville im Bundesstaat Kentucky Insolvenz an, die beide zur börsennotierten Irwin-Financial-Gruppe gehörten. Insgesamt stieg die Zahl der Pleiten von US-Banken in diesem Jahr damit auf 94. Mit Einlagen von insgesamt 4,8 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro) war die Irwin Union Bank and Trust Company das sechstgrößte Geldinstitut in den USA, das in diesem Jahr Pleite ging. Bei der Irwin Union Bank FSB standen 934 Millionen Dollar in den Büchern. Das Gros der Einlagen wurde von der First Financial Bank im Bundesstaat Ohio übernommen. Der Gesamtverlust durch die beiden Bankenpleiten wurde von der FDIC auf 850 Millionen Dollar veranschlagt.

6.31 Uhr – Ethikverband lehnt Begrenzung von Managergehältern ab: Der Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft, Ulf D. Posé, hält die Forderung nach einer Begrenzung von Managergehältern für nicht gerechtfertigt. „Ich halte das für populistisch“, sagte Posé. Ein Spitzenmanager dürfe unter bestimmten Voraussetzungen auch ein Vielfaches des Lohnes eines normalen Angestellten verdienen. Allerdings stelle sich bei der Höhe der Bezahlung die Frage der sozialen Akzeptanz. „Wenn nur eine kleine Gruppe am Mehrerfolg eines Unternehmens beteiligt wird, und alle anderen leer ausgehen, dann fehlt die soziale Akzeptanz“. Zugleich sprach er sich klar gegen Obergrenzen bei der Bezahlung von Topmanagern aus: „Ich halte Eingriffe in die Vertragsfreiheit für gefährlich. So lange der Nutzen der Arbeit steigt, sollte auch der Lohn steigen dürfen, das gilt für jeden Arbeitnehmer, auch für Spitzenmanager.“

5.42 Uhr – Messe „Interboot“ wird eröffnet: In Friedrichshafen wird die internationale Messe „Interboot“ eröffnet. Bis 27. September zeigen rund 500 Aussteller ihre Neuheiten für die Wassersport-Saison 2010. Die Bandbreite des Angebots reicht von Segeljachten über Motorboote bis zu Schlauchbooten, Kanus und Surfbrettern. Auch Neuheiten rund um den Tauchsport werden gezeigt. Die „Interboot“ findet zum 48. Mal statt.

4.30 Uhr – HWWI fordert Verlängerung der Kurzarbeit: Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hat sich für eine Verlängerung der Kurzarbeit ausgesprochen. „Die Regierung sollte die Kurzarbeit um weitere vier bis sechs Monate verlängern, um einen zu großen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern“, sagte HWWI-Chef Thomas Straubhaar dem „Hamburger Abendblatt“. Der Arbeitsmarkt werde sich spätestens zum Jahresende verdüstern, da einige Firmen Personal abbauen oder pleite gehen werden. „Im Frühjahr werden wir den Höhepunkt der Arbeitslosigkeit erreichen. Im Jahresdurchschnitt 2010 dürfte die Zahl der Arbeitslosen bei 4,1 bis 4,3 Millionen liegen. Vieles hängt davon ab, wie Kurzarbeit genutzt wird, ohne die heute schon eine halbe Million Menschen mehr ohne Job wären.“ Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung des HWWI-Direktors erst Mitte 2010 wieder auf einen stärkeren Wachstumspfad zurückkehren.

3.30 Uhr – Bund nimmt Konjunkturgeld zögernd in Anspruch: Die Bundesregierung hat erst 52 Millionen Euro aus dem insgesamt 1,15 Milliarden Euro schweren Konjunkturpaket für Sanierung und Renovierung der Ministeriumsbauten verwendet. Das berichtet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. Die Bundesregierung hatte stets betont, wie wichtig eine schnelle Umsetzung des Konjunkturpakets sei. Von den 52 Millionen Euro fließen alleine 10,5 Millionen Euro in Maßnahmen beim Arbeits- und Sozialministerium. Unter anderem würden dort für 700 000 Euro neue Energiespar-Lampen angeschafft.

3.10 Uhr – Automesse IAA öffnet für alle: Die Internationale Automobil-Ausstellung IAA ist jetzt für alle Autofans geöffnet. Besucher können sich bis zum 27. September in Frankfurt über Neuheiten informieren. Im Mittelpunkt der 63. IAA unter dem Motto „Erleben, was bewegt“ stehen Elektroautos und umweltfreundliche Antriebe. Die krisengeschüttelte Autoindustrie erhofft sich von der Messe neue Impulse. 781 Aussteller präsentieren auf der IAA in diesem Jahr ihre Modelle, das sind fast 30 Prozent weniger als bei der letzten Schau vor zwei Jahren. Darunter sind 100 Weltpremieren. Der Verband der Automobilindustrie als Veranstalter rechnet mit rund 750 000 Besuchern – vor zwei Jahren waren fast eine Million Gäste gekommen. Geöffnet ist die Messe täglich von 09.00 Uhr bis 19.00 Uhr. Auch viele Politiker haben ihr Kommen angekündigt, darunter Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD).

1.45 Uhr – Koch schätzt Überlebenschance von Opel optimistisch ein: Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) schätzt die Aussichten für ein Überleben des neuen europäischen Opel-Konzerns optimistisch ein. „Ich bin außerordentlich zuversichtlich“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Ansonsten wäre es auch nicht vertretbar gewesen, dass der Steuerzahler eine Bürgschaft stellt.“ Die vorgesehene Übernahme von Opel durch den Automobilzulieferer Magna sei im Vergleich mit den Alternativen „das unternehmerisch klarere und engagiertere Konzept“. Die Rettung von Opel mit staatlichen Bürgschaften halte er für „eine wirtschaftlich vernünftige Entscheidung“.

1.22 Uhr – Vier Prozent mehr Geld für Microsoft-Chef Ballmer: Der Software-Konzern Microsoft hat das Gehalt für Vorstandschef Steve Ballmer um vier Prozent erhöht, während der Gewinn des Unternehmens um 17 Prozent gesunken ist. Wie aus einer Vorlage für die amerikanische Börsenaufsicht (SEC) hervorgeht, belief sich Ballmers Gehalt im Geschäftsjahr 2009 auf 665.883 Dollar (452.800 Euro), nach 640.833 Dollar ein Jahr zuvor. Damals kam noch ein Bonus von 700.000 Dollar hinzu, zu einer Bonuszahlung 2009 machte Microsoft keine Angaben. Im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2009 ging der Gewinn des Konzerns auf 14,6 Milliarden Dollar zurück, der Umsatz verringerte sich um drei Prozent auf 58,4 Milliarden Dollar.

0.27 Uhr – Gericht verurteilt Ebay zu Strafe wegen Fälschungen: Das Internetauktionshaus Ebay muss dem weltgrößten Luxusgüterkonzern LVMH 80 000 Euro Entschädigung zahlen. Wie LVMH, zu dem Marken wie Christian Dior, Kenzo, Givenchy oder Guerlain gehören, mitteilte, sei ein Pariser Gericht zu dem Schluss gekommen, dass Ebay sich durch Nachahmungen oder Imitation der Fälschung schuldig gemacht habe. LVMH hatte gegen Ebay geklagt und dem Auktionshaus vorgeworfen, seine Kunden über Links zu gefälschten Produkte des Konzerns zu leiten. Für jeden weiteren Verstoß verhängte das Gericht dem Luxusgüterkonzern zufolge eine Strafe von 1000 Euro.

0.06 Uhr – Venezuela plant Staatsausgaben gegen Krise: Venezuela will die Staatsausgaben steigern, um der weltweiten Wirtschaftskrise entgegenzuwirken. Präsident Hugo Chavez kündigte in einem Interview der staatlichen Zeitung „Correo del Orinoco“ an, verstärkt in den Straßen- und Wohnungsbau sowie in Schulen, Kliniken und andere öffentliche Aufgaben zu investieren. Das venezolanische Sozialprodukt ist im ersten Halbjahr um ein Prozent geschrumpft, die Arbeitslosigkeit erreichte zuletzt 7,9 Prozent. Der oppositionelle Wirtschaftswissenschaftler Orlando Ochoa kritisierte, das Regierungsprogramm reiche nicht aus, um den Konsum anzukurbeln oder die Auswirkungen von staatlichen Währungsrestriktionen wettzumachen.