RoterTeufel
18-07-2010, 09:45
Wenn eine Stadt wächst, soll man sie nicht aufhalten. Die Großprojekte „Ban de Gasperich“ und „Place de l’Etoile“ wurden gestern vom Gemeinderat angenommen.
Akim Schmit
LUXEMBURG - Zu Beginn der Sitzung beschäftigte sich der Schöffen- und Gemeinderat mit den Anliegen der einzelnen Räte. Marc Angel (LSAP) äußerte Bedenken über die Gefahren von Falschparkern auf Zebrastreifen, wobei Schöffe François Bausch („déi gréng“) versprach, sich des Problems anzunehmen.
Neben einigen Konventionen und Verkehrsregelungen beschäftigte sich der Rat ausgiebig mit der Stadtplanung. Auf Kirchberg wurden einige Terrains umklassiert, um die Reorganisierung des CLT-Geländes (RTL Group) zu ermöglichen. Möglich wird dadurch auch die Verbreiterung des bd Pierre Frieden, falls eine Tramlinie gebaut werden soll sowie die Vergrößerung der Grundschule in der rue Anne Beffort.
Was das CLT-Gelände betrifft, so wird hier ein Neubau geschaffen. Die existierenden Gebäude werden dem Erdboden gleichgemacht und an ihrer Stelle werden Büros und 24.000 Quadratmeter Wohnraum geschaffen. Ein Plan, den Rat Angel begrüßt, handelt es sich doch beim Viertel Kiem in erster Linie um ein Wohnviertel.
Place de l’Etoile
Wurde der Umklassierung der Terrains auf Kirchberg recht schnell zugestimmt, so nahm die Neubebauung an der place de l’Etoile mehr Zeit in Anspruch.
Zunächst musste der generellen Änderung des Bebauungsplans (PAG) provisorisch zugestimmt werden, um danach in einer zweiten Abstimmung den Teilbebauungsplan (PAP) provisorisch zu genehmigen.
„Es ist den Leuten egal, was dort gebaut wird, Hauptsache ist, dass etwas dahinkommt“, sagte Marc Angel und drückte gleichzeitig sein Bedauern aus, dass in dem Projekt nicht mehr Wohnraum vorgesehen ist. An der Place de l’Etoile ist ein Komplex aus Geschäftsfläche (20.000 Quadratmeter), Büroräumen und Wohnungen geplant. Zusätzlich werden 500 Parkplätze für die Geschäftslokale und weitere 519 private Stellplätze geschaffen.
Zusätzlich stehen die Parkplätze auf dem Glacis-Feld zur Verfügung, die in wenigen Gehminuten erreichbar sind. Als weniger klobig empfindet auch Claude Radoux (DP) das Projekt und freut sich, wenn das Projekt „esou wéi et do läit, op de Wee kënnt“.
Keinen Einfluss
Als interessanter Mix zwischen einem Einkaufszentrum im Stadtzentrum und der grünen Wiese bezeichnet CSV-Rat Lucien Thiel das Projekt, dessen Risiko beim Bauträger liege. „Man soll die Stadt nicht an ihrer Entwicklung behindern“, so Thiel.
Sorgen macht sich allerdings Jacques-Yves Henckes (ADR) um die Konkurrenz zum geplanten Projekt „Hamilius“. Er fürchtet einen direkten Wettbewerb.
Bürgermeister Paul Helminger erklärte, dass die Gemeinde keinen direkten Einfluss auf die sich ansiedelnden Geschäfte habe. Jedoch hat die Stadt klare Vorstellungen, die den Partnern (dem Bauträger, der „Union commerciale“ und dem Mittelstandsministerium) mitgeteilt wurden. Wünschenswert wäre ein Warenangebot an Freizeit-, Haushalts-, und Sportartikeln.
Verkehrsschöffe François Bausch erklärte, dass bereits ein Verkehrskonzept ausgearbeitet wurde. Als erste Maßnahme gilt die Vergrößerung des Straßenraumes sowie das Schaffen einer zusätzlichen Busspur und eines Fahrradweges. Zudem wird nicht nur eine Bushaltestelle, sondern eine Art „Umschlagplatz“ geschaffen.
Ziel ist es laut Bausch, die Busse so weit wie möglich aus dem Stadtzentrum herauszuhalten. Das Projekt wurde von der Mehrheit der Räte provisorisch angenommen. Sollte keine Reklamation beim Schöffenrat eingehen, ist die Abstimmung definitiv.
Beschwerdebrief
Für ausreichend Gesprächsstoff sorgte anschließend die provisorische Abstimmung des Teilbebauungsplans im „Ban de Gasperich“ zwischen der rue F.W. Raiffeisen und der Verlängerung der rue François Hogenberg. Diesbezüglich erreichte den Schöffenrat ein Beschwerdebrief des Interessenvereins aus Gasperich.
In dem Schreiben befürchtet der Verein unter anderem, dass Grünflächen verschwinden würden, das Mischungsverhältnis zwischen Angestellten und Einwohnern aus den Fugen gerät, der lokale Handel wegen des geplanten Einkaufszentrums Einbußen hinnehmen muss und die Lebensqualität sinkt. Wie Bürgermeister Helminger erklärte, entsteht im „Ban de Gasperich“ der größte zusammenhängende Park auf dem Stadtgebiet. Zudem wird das Gelände in die Fahrpläne des öffentlichen Transports integriert, um dem Verkehr Herr zu werden. Die Beschwerde wurde von den Räten zurückgewiesen.
Marc Angel drückte in dem Zusammenhang seinen Unmut über die Brutto-Verkaufsfläche von 80.000 Quadratmetern aus. „Da hilft auch kein Park“. Auch Lucien Thiel äußerte seine Bedenken. „Hier wird wieder nach dem Schema X gebaut, derer es schon mehrere in der Region gibt. Am Beispiel von Belval warnte Claude Radoux, dass sich ein Einkaufszentrum nicht mit einer Baustelle kombinieren lässt. Das Projekt wurde von der Mehrheit definitiv gestimmt. Die LSAP-Räte enthielten sich. Der nächste Punkt beschäftigte sich mit dem Denkmalschutz. Im aktuellen Fall handelt es sich um drei Häuser in der rue Michel Rodange in Hollerich. In einer Anfrage an den Schöffenrat beantragte Kulturministerin Octavie Modert, diese unter Denkmalschutz zu stellen. 2008 wurde jedoch in einer provisorischen Abstimmung eine Genehmigung zum Bau einer Wohn- und Geschäftsresidenz auf Nummer zehn erteilt.
Kein klarer Sachverhalt
In der Zwischenzeit wurde ein Antrag zum Abriss besagter Gebäude eingereicht. Da die Grundstücke sich nicht in einer geschützten Zone befinden, wurde der Antrag bewilligt. Mit der Begründung, die Stadt vor Schadenersatzforderungen zu schützen und die für Bauträger schwer zu durchschauende Gesetzeslage abzuschaffen. Man könne einem Bauträger nicht ein Grundstück verkaufen und später den Abriss des sich darauf befindenden Gebäudes verbieten.
In diesem Kontext vermisst Rat De Toffoli eine klare Politik. Bisher wurde immer punktuell im Nachhinein reagiert. Schöffin und ehemalige Bürgermeisterin Lydie Polfer verweist in dieser Hinsicht auf einen 1993 erstellten Plan, der alle historisch wertvollen Bauten aufführt. Dieser müsse nach den gleichen Kriterien wie damals ergänzt werden.
Akim Schmit
LUXEMBURG - Zu Beginn der Sitzung beschäftigte sich der Schöffen- und Gemeinderat mit den Anliegen der einzelnen Räte. Marc Angel (LSAP) äußerte Bedenken über die Gefahren von Falschparkern auf Zebrastreifen, wobei Schöffe François Bausch („déi gréng“) versprach, sich des Problems anzunehmen.
Neben einigen Konventionen und Verkehrsregelungen beschäftigte sich der Rat ausgiebig mit der Stadtplanung. Auf Kirchberg wurden einige Terrains umklassiert, um die Reorganisierung des CLT-Geländes (RTL Group) zu ermöglichen. Möglich wird dadurch auch die Verbreiterung des bd Pierre Frieden, falls eine Tramlinie gebaut werden soll sowie die Vergrößerung der Grundschule in der rue Anne Beffort.
Was das CLT-Gelände betrifft, so wird hier ein Neubau geschaffen. Die existierenden Gebäude werden dem Erdboden gleichgemacht und an ihrer Stelle werden Büros und 24.000 Quadratmeter Wohnraum geschaffen. Ein Plan, den Rat Angel begrüßt, handelt es sich doch beim Viertel Kiem in erster Linie um ein Wohnviertel.
Place de l’Etoile
Wurde der Umklassierung der Terrains auf Kirchberg recht schnell zugestimmt, so nahm die Neubebauung an der place de l’Etoile mehr Zeit in Anspruch.
Zunächst musste der generellen Änderung des Bebauungsplans (PAG) provisorisch zugestimmt werden, um danach in einer zweiten Abstimmung den Teilbebauungsplan (PAP) provisorisch zu genehmigen.
„Es ist den Leuten egal, was dort gebaut wird, Hauptsache ist, dass etwas dahinkommt“, sagte Marc Angel und drückte gleichzeitig sein Bedauern aus, dass in dem Projekt nicht mehr Wohnraum vorgesehen ist. An der Place de l’Etoile ist ein Komplex aus Geschäftsfläche (20.000 Quadratmeter), Büroräumen und Wohnungen geplant. Zusätzlich werden 500 Parkplätze für die Geschäftslokale und weitere 519 private Stellplätze geschaffen.
Zusätzlich stehen die Parkplätze auf dem Glacis-Feld zur Verfügung, die in wenigen Gehminuten erreichbar sind. Als weniger klobig empfindet auch Claude Radoux (DP) das Projekt und freut sich, wenn das Projekt „esou wéi et do läit, op de Wee kënnt“.
Keinen Einfluss
Als interessanter Mix zwischen einem Einkaufszentrum im Stadtzentrum und der grünen Wiese bezeichnet CSV-Rat Lucien Thiel das Projekt, dessen Risiko beim Bauträger liege. „Man soll die Stadt nicht an ihrer Entwicklung behindern“, so Thiel.
Sorgen macht sich allerdings Jacques-Yves Henckes (ADR) um die Konkurrenz zum geplanten Projekt „Hamilius“. Er fürchtet einen direkten Wettbewerb.
Bürgermeister Paul Helminger erklärte, dass die Gemeinde keinen direkten Einfluss auf die sich ansiedelnden Geschäfte habe. Jedoch hat die Stadt klare Vorstellungen, die den Partnern (dem Bauträger, der „Union commerciale“ und dem Mittelstandsministerium) mitgeteilt wurden. Wünschenswert wäre ein Warenangebot an Freizeit-, Haushalts-, und Sportartikeln.
Verkehrsschöffe François Bausch erklärte, dass bereits ein Verkehrskonzept ausgearbeitet wurde. Als erste Maßnahme gilt die Vergrößerung des Straßenraumes sowie das Schaffen einer zusätzlichen Busspur und eines Fahrradweges. Zudem wird nicht nur eine Bushaltestelle, sondern eine Art „Umschlagplatz“ geschaffen.
Ziel ist es laut Bausch, die Busse so weit wie möglich aus dem Stadtzentrum herauszuhalten. Das Projekt wurde von der Mehrheit der Räte provisorisch angenommen. Sollte keine Reklamation beim Schöffenrat eingehen, ist die Abstimmung definitiv.
Beschwerdebrief
Für ausreichend Gesprächsstoff sorgte anschließend die provisorische Abstimmung des Teilbebauungsplans im „Ban de Gasperich“ zwischen der rue F.W. Raiffeisen und der Verlängerung der rue François Hogenberg. Diesbezüglich erreichte den Schöffenrat ein Beschwerdebrief des Interessenvereins aus Gasperich.
In dem Schreiben befürchtet der Verein unter anderem, dass Grünflächen verschwinden würden, das Mischungsverhältnis zwischen Angestellten und Einwohnern aus den Fugen gerät, der lokale Handel wegen des geplanten Einkaufszentrums Einbußen hinnehmen muss und die Lebensqualität sinkt. Wie Bürgermeister Helminger erklärte, entsteht im „Ban de Gasperich“ der größte zusammenhängende Park auf dem Stadtgebiet. Zudem wird das Gelände in die Fahrpläne des öffentlichen Transports integriert, um dem Verkehr Herr zu werden. Die Beschwerde wurde von den Räten zurückgewiesen.
Marc Angel drückte in dem Zusammenhang seinen Unmut über die Brutto-Verkaufsfläche von 80.000 Quadratmetern aus. „Da hilft auch kein Park“. Auch Lucien Thiel äußerte seine Bedenken. „Hier wird wieder nach dem Schema X gebaut, derer es schon mehrere in der Region gibt. Am Beispiel von Belval warnte Claude Radoux, dass sich ein Einkaufszentrum nicht mit einer Baustelle kombinieren lässt. Das Projekt wurde von der Mehrheit definitiv gestimmt. Die LSAP-Räte enthielten sich. Der nächste Punkt beschäftigte sich mit dem Denkmalschutz. Im aktuellen Fall handelt es sich um drei Häuser in der rue Michel Rodange in Hollerich. In einer Anfrage an den Schöffenrat beantragte Kulturministerin Octavie Modert, diese unter Denkmalschutz zu stellen. 2008 wurde jedoch in einer provisorischen Abstimmung eine Genehmigung zum Bau einer Wohn- und Geschäftsresidenz auf Nummer zehn erteilt.
Kein klarer Sachverhalt
In der Zwischenzeit wurde ein Antrag zum Abriss besagter Gebäude eingereicht. Da die Grundstücke sich nicht in einer geschützten Zone befinden, wurde der Antrag bewilligt. Mit der Begründung, die Stadt vor Schadenersatzforderungen zu schützen und die für Bauträger schwer zu durchschauende Gesetzeslage abzuschaffen. Man könne einem Bauträger nicht ein Grundstück verkaufen und später den Abriss des sich darauf befindenden Gebäudes verbieten.
In diesem Kontext vermisst Rat De Toffoli eine klare Politik. Bisher wurde immer punktuell im Nachhinein reagiert. Schöffin und ehemalige Bürgermeisterin Lydie Polfer verweist in dieser Hinsicht auf einen 1993 erstellten Plan, der alle historisch wertvollen Bauten aufführt. Dieser müsse nach den gleichen Kriterien wie damals ergänzt werden.