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RoterTeufel
31-01-2012, 16:50
Erinnerungen heilen, Nationen heilen
„Wir haben einen langen Weg vor uns, um Rassismus zu verlernen”
Pater Michael Lapsley war diese Woche in Luxemburg zu Gast

(CS) - Vor über zwanzig Jahren wurde Pater Michael Lapsley Opfer eines Anschlags des Apartheid-Regimes, in dem er beide Hände und das Augenlicht auf einem Auge verlor. Seitdem setzt er sich für die Verarbeitung und Heilung von Erinnerungen ein, und für eine bessere Zukunft.

„Nach dem Anschlag kamen mir Gebete, Liebe und Unterstützung aus der ganzen Welt zu. Menschen haben mich auf meinem Weg der Heilung begleitet, und in meiner Arbeit gebe ich dieses Kompliment zurück. Nun gehe ich neben anderen und schaffe Möglichkeiten, damit sie heilen können,” so Pater Michael.

Die Gründung des „Institute for Healing of Memories” 1998 war ein weiterer Schritt in einer schon turbulenten Reise.
„Ich habe den Brief geöffnet; die Bombe explodierte”

Im Jahr 1973 kam Pater Michael aus Neuseeland nach Südafrika. Nach dem Aufstand in Soweto, während dem er als Kaplan an Universitäten für schwarze und weiße Studenten arbeitete, wurde der Pater 1976 aus Südafrika verbannt. Er zog nach Lesotho und weiter nach Simbabwe, wo er die lebensverändernde Briefbombe erhielt – drei Monate nach der Befreiung Nelson Mandelas.

Pater Michael kehrte 1992 nach Südafrika zurück. „Ich habe viel verloren mit der Bombe. Ich habe Hände verloren, um die ich jeden Tag trauere. Aber ich habe auch viel gewonnen durch das, was mir passiert ist.”

„Nach dem Ende der Apartheid stellte sich in Südafrika die Frage, 'Wie gehen wir mit der Vergangenheit um?', mit dem was wir einander angetan haben,” so Pater Michael. Von 45 Millionen Menschen haben 18.800 ihre Erlebnisse der Wahrheits- und Versöhnungskommission unter der Leitung von Erzbischof Desmond Tutu erzählt, so der Pater, aber „was ist mit dem Rest der Geschichten?“

Durch die Vergangenheit in eine bessere Zukunft

Obwohl die Arbeit des Instituts für Heilung von Erinnerungen mit Opfern der Apartheid begann, um ihnen die Möglichkeit zu geben durch ihre eigene Geschichte die traumatische Vergangenheit des Landes zu verarbeiten, hat sich die Aufmerksamkeit in den vergangenen Jahren an HIV/AIDS-Kranke, Flüchtlinge, Häftlinge und Jugendliche gerichtet, um sie zu „fördern, unterstützen und inspirieren.“

Diese Woche war Pater Michael bereits zum fünften Mal in Luxemburg, um über seine Arbeit zu sprechen. Dies geschah auf Einladung der ACAT, einer Organisation von Christen gegen Folter. Treffen mit Schülern, Pfarreiarbeitern, Erzbischof Jean-Claude Hollerich und vielen mehr standen auf dem Programm.

„Ich würde sagen, Luxemburg ist eines meiner zu Hause geworden,“ sagte Pater Michael. „Es gibt hier ein Gefühl von Solidarität und Zugehörigkeit, Liebe, Zuneigung und Wärme.“

Großherzogin Maria Teresa ist mittlerweile Schirmherrin des Instituts, zusammen mit Erzbischof Tutu, Helen Clarke vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und der ehemaligen First Lady Osttimors, Kirsty Sword Gusmão.
Ein langer Weg liegt vor uns

„Wenn die Zeiten hart sind, ist immer die Verführung da nach Innen zu schauen,” sagte Pater Michael über die derzeitige Krise in Europa. Aber es ist auch „die Gelegenheit, ein größeres Mitgefühl zu entwickeln.“

„Die Festung Europa wird immer mehr xenophob, rassistisch und in sich selbst vertieft, aber das ist nicht die ganze Geschichte.“ Demonstrationen in Europa und der ganzen Welt gegen Rassismus und für mehr Menschenrechte geben Pater Michael die Hoffnung, dass „die Menschen anfangen zu sehen, dass Geiz keine Antwort ist, dass die Zukunft der Menschheit eine geteilte Zukunft ist.“

Ständig auf Reisen kam Pater Michael direkt aus Rom nach Luxemburg und das nächste Ziel, Kigali in Ruanda, war bereits ins Auge gefasst. Auf seiner Reise um die Welt hofft Pater Michael, dass „das Heilen von alten Wunden immer mehr auf der Tagesordnung stehen wird, in Gemeinschaften auf der ganzen Welt, und dass wir sie immer weniger unter den Teppich kehren, sondern ihnen die Stirn bieten.“

Mit der Veröffentlichung seiner Autobiographie „From Freedom Fighter to Healer“ später dieses Jahr, führt Pater Michael sein Lebenswerk weiter, seinen „kleinen Beitrag“ zur Heilung der Nationen.