KZ-Aufseher Iwan Demjanjuk Sohn greift deutsche Justiz an

Der Sohn des früheren KZ-Wächters John Demjanjuk (89) hat schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden erhoben.

Deutschland betreibe dessen Abschiebung aus den USA in voller Kenntnis der Möglichkeit, dass der Flug für seinen Vater tödlich enden könnte, sagte John Demjanjuk jr. (42) der „Süddeutschen Zeitung“.

Demjanjuk jr. berichtet demnach, sein Vater sei „nicht nur nicht fit“, er würde wahrscheinlich schon den Flug nach Deutschland nicht überleben.

„Wir haben Informationen, dass die Behörden längst wissen, dass mein Vater prozessunfähig ist“, sagte der Sohn des ehemaligen KZ-Aufsehers.

„Wir haben alle Informationen rübergeschickt, Gutachten von vier Fachärzten, inklusive der Blutwerte.“

Ein US-Berufungsgericht hatte am Dienstag den Stopp des Auslieferungsverfahrens angeordnet, nachdem Demjanjuk bereits von Beamten der US-Einwanderungsbehörde in Gewahrsam genommen worden war.

Sein Vater sei nach dem Abschiebeversuch erschöpft und leide unter Schmerzen, sagte der Sohn am Mittwoch.

Die Überstellung des 89-Jährigen, dem in München der Prozess gemacht werden soll, stand unmittelbar bevor.

Demjanjuk wird Beihilfe zum Mord in 29 000 Fällen zur Last gelegt.

Er soll 1943 für ein halbes Jahr zu den Wachmannschaften des NS-Vernichtungslagers Sobibor im damals von Deutschland besetzten Polen gehört haben.

Demjanjuk muss sich in München vor Gericht verantworten, da er vor seiner Auswanderung in die USA in der Nähe der bayerischen Landeshauptstadt lebte.