Servus Bayern! Ich mache jetzt Urlaub im Paradies
Die neue Saison habe ich schon genau geplant


Heute gehe ich in den Urlaub. Ich freue mich auf Portugal, auf mein Haus an der Algarve, mein Paradies.

Aber ich könnte genauso gut jetzt sofort in die neue Saison starten. Ich plane immer voraus. Ich habe schon alles vorbereitet. Meine Mitarbeiter wissen alles.

Genauso der Vorstand, mit dem ich gestern nochmal beisammen saß, um über die kommende Saison zu sprechen.

Ich habe klar und deutlich die Profile von Spielern, die wir für bestimmte Positionen brauchen würden, genannt. Ich kümmere mich nicht um Transfers, dafür haben wir Sportdirektor Christian Nerlinger. Und der Vorstand entscheidet: Ist dieser Spieler richtig für den FC Bayern und können wir das Geld ausgeben, oder nicht?

Das Gesicht der Mannschaft wird sich jedoch nicht großartig verändern, weil wir viele junge Spieler haben, die sich noch weiter entwickeln können.

Wir können allerdings noch immer einen Verteidiger gebrauchen, weil Lell und Görlitz weggehen. Und ich will für jede Position zwei Spieler.

Es können, ja, es werden eventuell Spieler zum FC Bayern zurückkommen. Weil sie einen gültigen Vertrag in München haben. Aber ich will, dass Spieler Perspektiven haben. In der Winterpause habe ich sieben Spieler abgegeben, weil ihnen diese Perspektiven bei uns gefehlt haben. Wir müssen nun mit diesen Spielern reden, ob es besser für sie ist, zurückzukommen, oder woanders ihre Chance auf einen Stammplatz zu suchen.

Wie zu Beginn der vergangenen Saison werden wir ab dem Trainingsstart am 21. Juni damit beginnen, innerhalb des Kaders auszuwählen. Ich will mit 24 Spielern arbeiten.

Ich weiß schon jetzt, dass mein zweites Bayern-Jahr noch schwieriger wird als mein erstes.

Eine schöne Saison liegt hinter uns. Sie war deshalb so schön, weil wir nicht nur erfolgreich waren, sondern auch sympathisch geworden sind. Wir haben angegriffen, wir haben dem Publikum Spaß bereitet.

Jetzt gibt es reichlich neue Ziele. Wir können noch immer etwas verbessern. Wir können erneut Meister werden, wieder Pokalsieger, den Supercup holen. Und ich habe schon vor einem Jahr gesagt, dass wir die Champions League vielleicht erst am Ende meiner Bayern-Zeit gewinnen können – das kann immer noch wahr werden.

Aber zunächst müssen wir die Erwartungen der Fans managen. Die Erwartungen sind nun so groß, dass es schwer wird, ihnen zu entsprechen.

Denn die Voraussetzungen sind nicht optimal für den FC Bayern. Wir haben zwar das größte Budget in Deutschland, aber ich habe schon viele Male erlebt, dass nicht immer das größte Budget gewinnt.

13 Spieler von uns sind bei der WM. Für Deutschland Butt, Badstuber, Müller, Lahm, Schweinsteiger, Gomez, Klose und Kroos, der aus Leverkusen zu uns zurückkehrt. Robben, van Bommel und Braafheid für Holland. Ribéry für Frankreich und Demichelis für Argentinien.

Sie alle werden später in die Vorbereitung einsteigen.

Zu Kroos habe ich bei unserem Kennenlern-Gespräch in München gesagt: ‚Ich weiß, dass Sie sich über Ihre Nominierung freuen, wir tun es auch, aber es wäre besser gewesen, wenn Sie zu Anfang hier wären, weil Sie meine Arbeitsweise noch nicht kennen.‘

Ehrlich gesagt: Ich rechne nicht damit, dass einer meiner Spieler als Weltmeister zurückkehrt. Ich glaube, dass Spanien oder Brasilien Weltmeister wird. Argentinien hat vielleicht die beste Mannschaft, aber ich denke, dass ein Trainer eben auch wichtig ist...

Meine Bayern stellen in der deutschen Mannschaft die größte Fraktion. Selbstverständlich hat Bundestrainer Joachim Löw meine Handy-Nummer. Aber er wird sie nicht brauchen, er schafft das alleine. Außerdem gehe ich nicht davon aus, dass alle meine Spieler bei ihm in der Startelf stehen.

Das Zusammenspiel zwischen Löw, seinem technischen und medizinischen Stab wird eine entscheidende Rolle spielen. Zum Glück ist auch unser Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt dabei. Das ist wichtig.

Ich selbst werde nicht nach Südafrika fliegen, obwohl ich viele Einladungen habe. Zehn TV-Stationen haben mich als Experten angefragt. Sie würden gerne meine Analysen hören. Aber ich habe abgelehnt. Ich werde mir viele Spiele im Fernsehen anschauen, im Urlaub, in meinem Haus in Portugal.

Ich werde in der kommenden Saison öfter in mein Paradies reisen. Es kann ja nicht sein, dass ich im gesamten Jahr nur vier Wochen dort bin.