Schnell, schneller, Red Bull: Die «rasenden Dosen» von Sebastian Vettel und Mark Webber sind derzeit das Maß der Dinge in der Formel 1. Die Konkurrenz rätselt und arbeitet fieberhaft daran, den Vorsprung zu verringern.

Doch im Moment scheint Red Bull nur sich selbst schlagen zu können. «Red Bull fährt in einer eigenen Welt», hat schon Rekordweltmeister Michael Schumacher festgestellt. Schlüssel zum Erfolg ist der RB6, mit dem Vettel und Webber den anderen Teams auf und davon fahren. Ein Meisterwerk des Design- Künstlers Adrian Newey.

In sechs Qualifikationen in dieser Saison holten die beiden Piloten jeweils dreimal die Pole Position. Vettel gewann einen, Webber die vergangenen beiden Grand Prix in Barcelona und Monaco. «Ich glaube nicht, dass es viele Fahrer in der Formel 1 gibt, die mit diesem Wagen nicht auf Platz eins oder zwei fahren würden», meinte Mercedes-Ersatzpilot Nick Heidfeld zur überlegen des Gefährts.

Wenn nicht vor allem bei Vettel in vier der bisher sechs Rennen die Technik nicht fehlerfrei mitgespielt hätte, die Dominanz würde sich auch zahlenmäßig in der WM-Wertung ausdrücken. «Die Umstände waren nicht immer die einfachsten für uns», sagt der 22 Jahre alte Heppenheimer, der vor dem Großen Preis der Türkei am Sonntag in Istanbul punktgleich mit dem führenden Webber mit je 78 Zählern auf Platz zwei liegt. In Istanbul soll ein neues Chassis Vettel wieder ganz nach vorn bringen. Beim alten Chassis war nach dem Rennen in Monaco ein Defekt festgestellt worden.

«Es ist nicht eine Sache allein. Aber es ist schon hauptsächlich die Aerodynamik, die beim Red Bull extrem gut funktioniert», analysiert Mercedes-Fahrer Schumacher die Dominanz, vergisst aber auch die Leistung der Fahrer nicht: «Sebastian und Mark holen auch das Optimum aus dem Auto heraus. Es ist nicht nur das Auto toll. Sondern die Jungs fahren auch entsprechend.»

Hinter jedem schnellen Auto steckt ein kluger Kopf: Im Fall des RB6 ist es der 51-jährige Newey. Ein eigenwilliger Schöpfer, der sich mehr als Künstler denn als Techniker versteht und der auch schon bei anderen Teams wie Williams und McLaren weltmeisterliche Autos entwarf.

Neweys Konstruktionen sind immer stets am Limit gebaut und voller Risiko. Nach Ansicht des Fachmagazins «Auto, Motor und Sport» arbeitet der Brite nach der Maxime des Lotus-Gründers Colin Chapman: «Ein gutes Auto bricht nach der Ziellinie auseinander.» Nach seinem Sieg in Spanien hatte Webber feststellen müssen: «Mein Auto hätte es in Barcelona nicht viel weiter als ins Ziel geschafft.»

Doch was ist die Stärke an dem Auto? «Es hat sich gezeigt, dass es auf jeder Strecke schnell sein kann», meint sein Schöpfer Newey. Größter Profiteur vom neuen Kunstwerk ist Webber. Wagen und Reifen passen besser zu seinem Stil als im vergangenen Jahr. Damals war sein elf Jahre jünger Teamkollege dem Australier meistens davongerast. «Ich fahre schonender als Sebastian und passe in der Regel besser auf die Hinterreifen auf. Das könne mein Joker sein», hofft Webber für das brisante teaminterne Duell.

Selbstzufriedenzeit scheint bei den «Roten Bullen» nicht aufzukommen. «Wie letztes Jahr gezeigt hat, ist das schnellste Auto zu Saisonbeginn nicht zwangsläufig auch am Saisonende das schnellste», meint Newey und spielt auf die Aufholjagd seines Teams im vergangenen Jahr an. Am Ende reichte es für Red Bull aber nicht mehr, Brawn GP abzufangen. Vettel wurde nur Vize-Weltmeister.