Wahl in Berlin am 18. September Wowi nicht zu stoppen?
Grne nach Hhenflug nur auf Platz 3 ++ FDP schmiert ab ++ Piraten knnten Parlament entern

Das Superwahljahr 2011 endet mit einem Hhepunkt: Die Hauptstadt whlt am Sonntag ein neues Abgeordnetenhaus.

Grnen-Fraktionschefin Renate Knast (55) fordert Berlins Regierenden Brgermeister Kaus Wowereit (57, SPD) heraus. Doch kurz vor der Wahl scheint bei Knast die Luft raus zu sein. Die SPD liegt vorn uneinholbar, wie es aussieht. Den Partner kann sie sich aussuchen drei Parteien buhlen um die Gunst.

Vor einem Jahr hatte Knast die Nase vorn. In Umfragen bertrumpfte sie Wowereit schon, bevor sie berhaupt erklrt hatte, dass sie als Spitzenkandidatin antreten werde. Die Aussicht, die Grnen knnten mit ihrer prominenten Fraktionschefin im Bundestag als Zugpferd nach der Wahl am 18.September die Nach-Wowereit-ra einluten, verlieh der Partei Flgel.

Wowi hatte in der Hauptstadt an Ansehen eingebt durch Lustlosigkeit, Flapsigkeit und mangelnde Prsenz.

Doch inzwischen gilt es als ausgeschlossen, dass Knast ihm das Rote Rathaus abjagen wird.

DRITTE AMTSZEIT FR WOWEREIT?

Nach den jngsten Umfragen rangieren die Grnen zehn bis zwlf Punkte hinter der SPD.

Im BILD-Interview sagte Knast zwar, dass sie weiter vollen Einsatz im Wahlkampf bringen werde, doch im TV-Duell, das vom RBB gesendet wurde, wurde klar, dass sie sich wohl selbst keine Chance mehr auf einen Wahlsieg gibt.

Knast erwhnte in 45 Minuten kein einziges Mal mehr, dass sie Regierende Brgermeisterin werden wolle. Stattdessen fragte sie Konkurrent Wowereit unverblmt, ob die SPD mit den Grnen koalieren wolle. Der lie lange auf die Antwort warten und legte sich am Ende nicht fest. Auer, dass die CDU lediglich dritte Wahl sei.

Wowereit, der im Juni sein zehnjhriges Dienstjubilum feierte, luft sich inzwischen fr seine dritte Amtszeit warm.

Und Knast kehrt nach der Wahl auf ihren Stuhl im Bundestag zurck. Dass sie nur als Regierungschefin in der Berliner Landespolitik bleibt daraus hatte sie nie ein Geheimnis gemacht.

Alle Umfragen seit Mai deuten darauf hin, dass der Traum der Grnen zerplatzt ist. Wenige Tage vor der Wahl sind sie nach zeitweiligem Gleichstand mit der CDU mit rund 20 Prozent sogar auf Platz 3 hinter die Union abgerutscht.

Die CDU liegt bei 21 bis 22 Prozent, die SPD kam zuletzt auf 29,5 bis 32 Prozent.

Die eigentliche Sensation vor der Wahl schaffte aber die junge Piratenpartei. In der Hauptstadt knnte sie nach den Umfragen mit bis zu 6,5 Prozent erstmals in ein Landesparlament einziehen.

Das geht auch zulasten der FDP, deren Spitzenkandidat Christoph Meyer (36) kaum einer kennt. Den Liberalen droht mit konstant drei Prozent der fnfte Rauswurf aus einem Lnderparlament in diesem Jahr.

Die jetzt noch mitregierende Linke erreichte in Umfragen zuletzt nur 11 Prozent. Ihr Spitzenmann Harald Wolf gilt als solider Wirtschaftssenator, aber als wenig charismatisch.

NEUAUFLAGE GROSSE KOALITION?

Auch CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel ist in Berlin vielen unbekannt. Wie Linke und Grne hat auch er nur die Mglichkeit, ein Bndnis mit der SPD einzugehen.

Im BILD-Interview versuchte Henkel ein wenig die Werbetrommel fr eine Groe Koalition zu rhren und stellte heraus, was CDU und SPD eint: Der Bau der A100 ist ein wichtiges Infrastruktur-Projekt, auch der neue Flughafen als Jobmotor. Immerhin gab er noch zu, dass er Wowereit sympathisch findet, doch die Leistungsbilanz von Rot-Rot sei verheerend.

Fr eine Neuauflage einer rot-schwarzen Koalition nach fast zehn Jahren Rot-Rot machte Wowereit den Konservativen kaum Hoffnung. Allerdings versprach er sich auch nicht den Grnen. Beide Parteien will der gewiefte Koalitionstaktiker in den Sondierungen gegeneinander ausspielen vielleicht sogar drei, falls die Linke noch zulegt.

PROGNOSE

Auch wenn die Strkeverhltnisse aus den Umfragen in etwa so bleiben werden, knnten am Wahlsonntag doch noch berraschungen passieren, sagte Klaus-Peter Schppner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Emnid, zu BILD.de. In keinem Bundesland sind die Umfragen so unsicher wie in Berlin, das liegt an der heterogenen Struktur des Stadtstaats. Da die Zufriedenheit mit den groen Parteien nicht sehr hoch sei, knnten nach Schppners Einschtzung noch Whler zu den kleinen Parteien abwandern.