Schulden-Krise Letzte Chance für die Griechen
Troika sieht Fortschritte bei Sparbemühungen ++ Portugal warnt vor Domino-Effekt bei Griechenland-Pleite

Die Pleite-Prüfer kehren nach Athen zurück!

Griechenland und seine wichtigsten Gläubiger haben sich wieder angenähert. Deshalb werden Vertreter der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF Anfang kommender Woche nach Griechenland zurückkehren, erklärte das griechische Finanzministerium nach einer Telefonkonferenz.

Sowohl das Ministerium als auch die EU sprachen von Fortschritten bei den Verhandlungen über die Auszahlung weiterer Hilfsgelder.

ACHT-MILLIARDEN-TRANCHE

Finanzminister Evangelos Venizelos telefonierte den zweiten Abend in Folge mit den Experten der Troika. Bei den Gesprächen ging es um die Fortschritte Griechenlands bei der Umsetzung der Spar- und Reformmaßnahmen, die Bedingung für die Auszahlung einer weiteren Tranche aus dem Rettungsfonds sind. Von der Bewertung der Troika hängt die Auszahlung der Rate von acht Milliarden Euro ab.

Die Finanzmärkte rechnen damit, dass Griechenland ohne die nächste Rate im Oktober pleite sein wird.

Nach der Telefonkonferenz teilte das griechische Finanzministerium mit, die Gespräche hätten einen „befriedigenden Fortschritt“ gebracht. Kommende Woche sollen dann die Gespräche über die Auszahlung der nächsten Tranche unter Dach und Fach gebracht werden.

Die wirtschaftliche Lage in Griechenland wird auch Thema eines Treffens zwischen Ministerpräsident Giorgos Papandreou und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag in Berlin sein.

Beide wollen über die Reformanstrengungen der Regierung in Athen beraten.

KÜNDIGUNG FÜR 150 000 BEAMTE

Venizelos zieht beim griechischen Volk weiter die Daumenschrauben an. Der Plan: Um kurzfristig hohe Summen einzusparen, müssen 150 000 Staatsbedienstete gehen. 50 000 sofort, der Rest bis 2015.

Und der Finanzminister hat weitere Schock-Nachrichten für sein Volk in der Schublade.

Darunter sei der Ausgleich des Preises für Heizöl (bislang rund 0,90 Euro) mit dem Treibstoffdiesel (etwa 1,40 Euro). 117 Betriebe, die vom Staatshaushalt unterstützt werden, müssen so bald wie möglich schließen. Spätestens bis Jahresende!

Zentrale weitere Maßnahme für die Sanierung der Staatsfinanzen soll die bereits angekündigte Immobilien-Sondersteuer sein.

EU BESTÄTIGT RÜCKKEHR DER TROIKA

Die EU-Kommission bestätigte die Rückkehr der Troika nach Athen.

Die Gespräche am Dienstag hätten eine Verständigungsgrundlage geschaffen.

Anfang September war die Troika aus Athen abgereist - informierten Kreisen zufolge aufgrund mangelnder Fortschritte Griechenlands bei der Umsetzung der Sparvorgaben. Athen steht unter großem Druck: Wenn die nächste Tranche nicht ausgezahlt wird, kann auch ein neues, dringend benötigtes Rettungspaket im Umfang von 159 Milliarden Euro nicht freigegeben werden.

PORTUGAL BEFÜRCHTET DOMINO-EFFEKT

Der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho hat vor den Folgen einer möglichen Staatspleite Griechenlands für sein Land gewarnt.

Im Falle eines Staatsbankrotts Griechenlands würde auch Portugal neue Finanzhilfen benötigen, sagte Passos Coelho dem Fernsehsender RTP. „Im Falle einer Pleite Griechenlands ist es wichtig, dass unsere europäischen Partner davon überzeugt sind, dass es sich lohnt, Portugal zu helfen und in diesem Fall auch Irland“, sagte Passos Coelho.

Der Regierungschef bekannte sich erneut zu den mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Sparmaßnahmen. Sein Land müsse sich „exakt“ an die Vereinbarungen halten.

Portugal hatte im Mai die Zusage über Notkredite im Umfang von 78 Milliarden Euro über einen Zeitraum von drei Jahren erhalten.

Der Streit um die damit verbundenen Spar- und Reformanstrengungen hatte zu vorgezogenen Neuwahlen geführt, bei denen die Sozialisten von den konservativen Sozialdemokraten als stärkste Kraft abgelöst wurden. Die Konservativen hatten die Wahl gewonnen, obwohl sie härtere Sparmaßnahmen wollten als die Vorgängerregierung von José Socrates.