Entführte Sudan-Kinder Jetzt spricht der Vater

Hermannsburg – Seit zwei Wochen sitzt er allein in seiner U-Haft-Zelle. Axel H. (37), der Vater, der seine vier Kinder bis in den Sudan verschleppte. Genug Zeit zum Nachdenken?

Bisher hat der arbeitslose Altenpfleger beharrlich zu den Hintergründen der Entführung geschwiegen, die 136 Tage dauerte. Jetzt sprach er überraschend erstmals in der Polizeivernehmung über Details der Tat, seine Motive.

Der Vater über die Entführung der vier Geschwister (4,6,7,9): Sie war von langer Hand geplant. Über Monate sparte Axel H. Geld, wollte offenbar nicht zurück nach Deutschland. Allerdings war ursprünglich nicht Afrika, sondern Griechenland das Ziel seiner Reise.

Oberstaatsanwalt Lars Janßen: „Die Idee hat er dann aber verworfen, da er das Entdeckungsrisiko in dem europäischen Land für zu hoch hielt.“ Deshalb Afrika...

Der Beginn der viermonatigen Odyssee: Nach der Ankunft in Hurghada, einem ägyptischen Ferienort, reist Axel H. mit den Kindern in den Sudan, will zunächst weiter ins ostafrikanische Nachbarland Kenia. Zehn Tage irrt die Familie durch den gefährlichen Sudan. Dann endlich entschließt sich der Familienvater aufgrund „finanzieller und gesundheitlicher Risiken“ zur Rückkehr nach Ägypten.

Im Juni erreichen sie die Hauptstadt Kairo, mieten eine kleine Wohnung in der Millionenmetropole. Oberstaatsanwalt Janßen: „Hier hat die Familie in einem nahezu ausschließlich von Ägyptern bewohnten Stadtteil zurückgezogen gelebt.“ Trotzdem spüren Zielfahnder den Entführer auf, verhaften ihn am 7. September in einem Internetcafé (BILD berichtete).

Warum entführte Axel H. seine vier Kinder aus Deutschland, setzte sie in Afrika einer so großen Gefahr aus?

Im Verhör erklärte der fundamentalistische Christ, dem nach der Trennung das Sorgerecht entzogen worden war, dass er „mit dem Lebens- und Erziehungsstil“ seiner Ex-Frau nicht einverstanden sei, er an seiner „religiösen Erziehungspflicht“ gehindert werde.

Der Entführer sitzt weiter in U-Haft, wird von einem psychiatrischen Gutachter untersucht. Ihm drohen bis zu 10 Jahre Haft.