Ex-Präsident beteuert seine Unschuld

War es am Ende viel Lärm um Nichts im Korruptionsprozess um Frankreichs Altpräsidenten Chirac? Verteidigung wie Staatsanwaltschaft fordern einen Freispruch, der Hauptzeuge leidet an Gedächtnislücken.

Im Korruptionsprozess gegen den früheren französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac hat die Verteidigung einen Freispruch gefordert. Die Richter könnten "nicht Jacques Chirac beflecken, ohne Frankreich zu beflecken", erklärten die Anwälte in Paris. Durch seine Anwälte ließ der 78-jährige Angeklagte mitteilen: "Ich habe keinen Fehler begangen, weder einen strafrechtlichen noch einen moralischen".

Die Anhörungen gingen am Freitag zu Ende, das Urteil wird am 15. Dezember erwartet. Das Gericht hatte auf die Vernehmung des Hauptangeklagten verzichtet, der laut einem ärztlichen Gutachten unter Gedächtnislücken leidet.

Chirac wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister knapp dreißig Mitarbeiter aus der Stadtkasse bezahlt zu haben, obwohl sie gar nicht für die Stadtverwaltung arbeiteten. Einige sollen stattdessen schon für seinen späteren Präsidentschaftswahlkampf aktiv gewesen sein. Andere wie der Enkel des verstorbenen Präsidenten Charles de Gaulle sollen reine Gefälligkeitsjobs bekommen haben.
Staatsanwaltschaft plädiert auf Freispruch

Chirac versichtere, es habe keine persönliche Bereicherung im Rathaus gegeben, als er Bürgermeister von Paris war. Es habe auch kein Betrugssystem geherrscht. Ähnlich hatte sich am Dienstag auch die Staatsanwaltschaft geäußert, die lediglich "Verwaltungsmängel" unter Chirac im Rathaus sah und den Freispruch von ihm und den neun Mitangeklagten forderte.

Der Prozess gegen Chirac war der erste gegen einen französischen Staatschef der Nachkriegszeit. Das Urteil, das milde ausfallen dürfte, soll später folgen. Die Stadt Paris, wo Chirac von 1977 bis 1995 Bürgermeister war, einigte sich bereits mit dem Altpräsidenten auf eine Entschädigung und zog daraufhin ihre Klage zurück. Übrig blieb die Anti-Korruptionsvereinigung Anticor als Nebenkläger.