Steuererhöhung bei Wein und Bier
Wirte sind sauer: 400 Betriebe stehen auf dem Spiel


Kunden müssen für alkoholische Getränke tiefer in die Tasche greifen

Kneipengänger und Restaurantgäste müssen sich auf höhere Preise für Bier und Wein einstellen. Grund ist die Neuordnung der Mehrwertsteuer, die alkoholische Getränke in Restaurants verteuert. Die Wirte befürchten ein Kneipensterben.

Es ist eine bittere Pille, die Kunden und Restaurantbetreiber schlucken müssen. Im kommenden Jahr steigt die Mehrwertsteuer für alkoholische Getränke im Ausschank von drei Prozent auf 17 Prozent. Bei einem großen Glas Bier bedeutet dies zum Beispiel einen Preisanstieg von 3,00 Euro auf 3,40 Euro. Eine Flasche Wein, die bisher bei 26 Euro liegt, wird ab Januar dann 30 Euro kosten.

Das Echo auf die Nachricht aus dem Finanzministerium fällt kritisch aus. Kneipengänger beschweren sich in den sozialen Medien über den absehbaren Preisanstieg und die Verbraucherschutzorganisation ULC fordert die Regierung mit Verweis auf das begrenzte Budget der Verbraucher auf, die Entscheidung zurückzunehmen. Tiefer noch geht die Kritik der Wirte: Sie bangen um die Zukunft ihrer Betriebe.

François Koepp, Generalsekretär des Hotel- und Gaststättenverbandes Horesca, rechnet vor: „Bei unverändertem Konsum würde die Erhöhung steuerliche Mehreinnahmen von 34 Millionen Euro auf alkoholische Getränke einbringen. Aber die Kunden haben dieses Geld nicht. Also geht der Konsum zurück und die Betriebe müssen die Mehrwertsteuererhöhung mittragen.“

Nach Berechnungen der Horesca wird genau dies geschehen. Der Verband geht davon aus, dass die Betriebe nicht die vollen 14 Prozentpunkte auf die Bier- und Weinpreise aufschlagen kann und einen Teil der Erhöhung durch Gewinnrückgang bezahlen wird. Zum anderen werde künftig in Restaurants und Bars ganz einfach weniger Bier, Wein, Sekt und Aperitif bestellt, sind sich die Wirte sicher. Koepp: „Wir haben die Entwicklung in Frankreich beobachten können. Dort trinken die Leute mehr zu Hause. Teilweise kommen sie dann in die Kneipe, wenn sie schon ein, zwei Bier intus haben.“

Die Mehrwertsteuererhöhung werde ganz handfeste finanzielle Folgen haben. „Wir gehen davon aus, dass bei einem durchschnittlichen Restaurantbetrieb mit bisher 100 000 Euro Gewinn nächstes Jahr nur noch 80 000 Euro in der Kasse sein werden“, meint Koepp. Bei Kneipen würden die Einbußen sogar 30 Prozent ausmachen. „Die Folge wird ein Kneipensterben sein. Vor allem die kleine Eckkneipe wird erhebliche Probleme bekommen“, sagt er. Sein Verband geht davon aus, dass 400 Betriebe schließen müssen. Damit stünden 600 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Doch auch wenn die Schätzung nicht eintreten würde, ist sich die Horesca sicher, dass der Restaurantsektor in Zukunft nicht mehr so viele Arbeitskräfte einstellen wird. 2013 haben 2500 Menschen einen Job in der luxemburgischen Gastronomie gefunden.

Eingeschnappt ist die Horesca zudem darüber, wie die Diskussionen mit Finanzminister Gramegna verlaufen sind. Koepp: „Wir haben unsere Bedenken vorgetragen, aber das hat ihn nicht die Bohne interessiert. Es hieß immer nur: Der Staat braucht mehr Geld.“