Universitätsprojekt
Erinnerungen für die Nachwelt
Nützliche Quelle für die Wissenschaft


Besonders erinnert sich Loretta Walz an eine 95-Jährige. Vor zwei Jahren hat sich Walz angehört, was die Frau in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges durchgemacht hat. Zwei Stunden erzählte die Dame. Zum ersten Mal öffentlich. Wie sie von Luxemburg nach Schlesien umgesiedelt worden war und über den Vater, der desertierte. Die Frau hatte die Hoffnung, sich einmal alles von der Seele reden zu können. Denn noch immer belasteten sie die Ereignisse. An den Jahrestagen schlimmer persönlicher Erlebnisse brach sie regelmäßig zusammen. Seit sie alles Loretta Walz erzählt hat, geht es ihr besser.
Schulmaterial für Lehrer

56 Männer und 26 Frauen – die meisten aus Luxemburg, ein paar aus der Großregion - haben der Dokumentarfilmerin in einem Videointerview erzählt, was sie während des Krieges erlebt haben. Vier Interviews folgen noch. Die Aufnahmen sollen eine Quelle für die Zukunft sein, von der Historiker und andere Wissenschaftler, aber auch beispielsweise Lehrer schöpfen können.

Das Ganze ist Teil des Universitätsprojektes „Partizip 2“, das den Kampf um politische, wirtschaftliche und kulturelle Teilhabe in Luxemburg von den 1930er bis in die 1980er Jahre untersucht. Das Videoprojekt soll vor allem die Wirkungen und Folgen der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen analysieren. Gefördert wird es von der Œuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte Luxembourg, dem Fonds national de la re
cherche sowie der Matanel-Stiftung.

„Die Geschichtswissenschaft war bislang immer auf das Großherzogtum begrenzt“, man könne aber Geschichte nur noch länderübergreifend verstehen, sagt Jean-Paul Lehners, emeritierter Professor der Universität Luxemburg, der das „Partizip 2“-Projekt geleitet hat.
Die Konkurrenz der Opfer

Die Dokumentarfilmerin Walz sagt: „Viele, die im Krieg traumatisiert wurden, haben nie darüber gesprochen, weil es andere gegeben habe, die mehr gelitten oder mehr geleistet hätten.“ Die „Konkurrenz der Opfer“ nennt sie das. Auch Nelly Artois hat erst jetzt mit über 80 Jahren zum ersten Mal öffentlich über die Zeit damals erzählt. Unter anderem von der Ardennenoffensive. Noch heute bekommt sie schnell Angst, wenn plötzlich laute Musik mit donnernden Bässen ertönt.

Ihr Cousin Fernand Artois hat im Interview über ein Umerziehungslager der Nazis gesprochen und wie er an der Flak eingesetzt wurde. Beiden ist es wichtig, ihre Erinnerungen weiterzugeben. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Die Hauptförderer des Projektes

Œuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte Luxembourg

Die Œuvre wurde Weihnachten 1944 gegründet, um Weltkriegsopfern zu helfen. Heute fördert die öffentliche Einrichtung philanthropische Projekte in den Bereichen Soziales, Umweltschutz, Kultur und Sport. Die Œuvre finanziert sich unter anderem durch Einnahmen der „Loterie Nationale“.

Fonds National de la Recherche

Der Fonds National de la Recherche (FNR) wurde 1999 gegründet. Seitdem hat er sich zu einem wichtigen Förderer eines hochwertigen Forschungssystems im Großherzogtum Luxemburg entwickelt. Der FNR fördert alle Wissenschaften und ist engagiert, Luxemburgs Profil als internationalen Wissenschafts-Standort zu stärken.