Roger Federer im Interview
"Ohne meine Familie würde ich nicht mehr spielen"


Der ehemalige Weltranglistenerste will dem Tennis auch nach seiner Karriere als Spieler erhalten bleiben

Traditionell im kleinen Städtchen Halle (D) begann für den 33-jährigen Roger Federer am Montag der kurze, intensive Swing auf Gras. Im LW-Interview spricht er über die Verlängerung der Rasensaison, das Reisen mit seinen vier Kindern sowie seine Zukunft.

2015 erlebt das Rasentennis einen Höhepunkt seiner Renaissance, mit einer jetzt dreiwöchigen Vorbereitungszeit auf Wimbledon. Wie bewerten Sie das?

Es ist nur gerecht so. Man muss sich einfach daran erinnern, dass früher drei Grand-Slam-Turniere auf Rasen entschieden wurden, auch bei den US Open und den Australian Open. Heute gilt das nur noch für Wimbledon. Stattdessen wird vom späten Sommer bis in den Frühling der nächsten Saison auf Hartplätzen gespielt. Es war richtig, dass Wimbledon irgendwann ein Zeichen gesetzt und gesagt hat: Wir spielen bei uns eine Woche später, machen so den Weg frei für eine verlängerte Rasensaison. Ich bin glücklich über diese Entwicklung.

Wie leicht oder schwer ist es, mit nun vier Kindern den Tenniscircuit zu bereisen?

Es ist viel leichter als ich gedacht habe. Natürlich gibt es hie und da Problemchen, aber andererseits weiß ich: Ohne meine Familie würde ich gar nicht mehr Tennis spielen, da wäre ich jetzt nicht mehr unterwegs. Wir sind ein eingespieltes Team, in dem meine Frau natürlich die Hauptlast mit den Kindern trägt. Dafür bin ich ihr jeden Tag dankbar, dass sie mir so den Rücken frei hält. Früher hatte ich immer nur die Vision, als Tennisspieler mit einem Coach unterwegs zu sein. Erst viel später kam der Wunsch, mit einer Familie durch die Welt reisen zu können. Deshalb ist das jetzt auch ein ganz anderes Leben, ein ganz anderer Abschnitt für mich. Die ersten zehn Jahre auf der Tour waren total anders als die vergangenen sechs.

Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal einen Spieler zu betreuen oder zu managen?


Nein, das wäre nichts für mich. Ich sehe ja selbst, wie aufreibend die Arbeit für all jene ist, die um mich herum arbeiten. Es ist eigentlich ein 24-Stunden-Job, sieben Tage die Woche. Das brauche ich nach zwei Jahrzehnten als Berufsspieler sicher nicht. Dem Tennis selbst werde ich aber ganz sicher verbunden bleiben. Wie genau, das weiß ich selbst noch nicht. Ich 
habe schon Lust, weiter Schaukämpfe zu spielen, auch für meine Stiftung aktiv zu sein. Schauen wir mal, noch bin ich nicht im Ruhestand.