Stoiber: Uli hofft noch, dass Jupp bleibt



Edmund Stoiber, Aufsichtsrat des FC Bayern, spricht im Interview mit SPORT BILD über die Zukunft des Klubs und die Verträge von Hoeneß und Rummenigge.

SPORT BILD: Herr Stoiber, wir wollen mit Ihnen in Ihrer Funktion als Aufsichtsrat des FC Bayern über das Alter im Klub sprechen.

Edmund Stoiber (76): Wir können gerne über den FC Bayern sprechen. Aber wieso ist da das Alter wichtig?

Sie selbst haben das Thema auf dem Sportpresseball angesprochen, als Sie prophezeiten, dass es der FC Bayern bei Gegnern wie Paris St-Germain nur mit dem 72-jährigen Jupp Heynckes zurück an die Spitze schaffe.

Ich bin ja noch älter als er, aber dass Jupp Heynckes mit 72 Jahren sich noch mal auf den Platz stellt und mit seiner ganzen Erfahrung, seinem Können und seiner Leidenschaft diese Mannschaft, die nicht austrainiert schien, wieder zum Erfolg führt, verdient größten Respekt. Auch für Heynckes war die Rückkehr ein Risiko. Heynckes trat mit dem größten Erfolg eines Vereinstrainers ab, den man erreichen kann (Triple 2013; d. Red). Er brauchte weder noch mehr Ruhm oder Geld. Er kam zurück, um dem Verein als alter Freund aus einer Notlage zu helfen.

Was macht ihn so besonders?

Heynckes gehört einer Generation an, die den menschlichen Kontakt mit den Spielern auf eine besondere Art pflegt, mit einer sehr persönlichen Ansprache. Ihm geht es nicht nur um die reine Spiel-Systematik wie beispielsweise einem Pep Guardiola. Heynckes will die Spieler verstehen, auch ihre Probleme kennen. Sehen Sie doch nur, wie sich Kingsley Coman unter ihm entwickelt hat. Oder auch James. Ich würde kein Veto einlegen, wenn es bei ihm darum ginge, die Kaufoption zu ziehen.

Nicht nur für Heynckes war das Comeback ein Risiko. Auch die Klub-Führung wäre bei einem Scheitern dafür kritisiert worden, einen Coach zu verpflichten, der vier Jahre zuvor seine Karriere beendet hatte.

Natürlich kam der Retro-Vorwurf bei der Heynckes-Verpflichtung auf. Alles erinnert ja tatsächlich ein wenig an „Der große Bellheim“ (TV-Mehrteiler Anfang der Neunziger; d. Red.). Dass Uli auf die Idee kam, Heynckes noch mal anzusprechen, war ja nicht naheliegend und eine Riesen-Entscheidung. Natürlich nur zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge. Uli fühlt sich jetzt bestätigt. Und das zu Recht.

Wie sahen Sie den Wunsch von Hoeneß, Heynckes sogar für die nächste Saison als Trainer zu gewinnen?

Es gibt eben diese enorme Hoffnung von Uli Hoeneß, die immer noch vorhanden ist, dass Heynckes vielleicht doch weitermacht. Aber es steht eben auch die Antwort mit der Absage von Heynckes im Raum. Doch auch ich sehe das Feuer und die Begeisterung, die er als Trainer nach wie vor an den Tag legt. Die Saison ist noch lang, und alle Seiten sind in der Lage, sich wieder neu zu entscheiden. Ich schließe daher zu diesem Zeitpunkt nichts aus. Ob er Bayern aber noch mal den Gefallen tut, den Uli und Kalle ja wünschen, weiß ich nicht. Wie sagte Franz Beckenbauer so schön: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho.“

Uli Hoeneß ist als Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident 66 Jahre alt, Karl-Heinz Rummenigge 62 Jahre. Bei beiden läuft die Amtszeit noch bis 2019. Glauben Sie, dass sie auch danach die Zukunft des FC Bayern gestalten?

Klar gibt es Leute, die sich mit 60 Jahren schon alt fühlen. Uli und Kalle sind mit ihren 66 bzw. 62 jedoch spritzig, kreativ und gestalten die neuen Entwicklungen im nationalen und internationalen Fußball mit. Wir werden gut geführt, deshalb spricht nichts dafür, die Altersstruktur der Führung zu hinterfragen. Im Übrigen wissen beide sehr genau, was für eine Verantwortung sie für die Zukunft des Klubs haben. Aber das ist jetzt wirklich kein Thema.

Sie würden also eine Fortsetzung der Führung unter dem Alphatier-Duo Hoeneß und Rummenigge befürworten?

Uli und Kalle sind eben Alphatiere, weil sie das weiterhin permanent unter Beweis stellen. Den gemeinsam herbeigeführten Wechsel von Ancelotti zu Heynckes hat sie, wie sie es auf der Jahreshauptversammlung gesagt haben, wieder so zusammengeführt, dass zwischen sie kein Blatt mehr passt. Die Zeit von Uli während und nach dem Gefängnis-Aufenthalt war weder für ihn noch für Karl-Heinz eine einfache Zeit. Uli hatte den Willen, den Nackenschlag wegzustecken und noch einmal mit all seiner Erfahrung anzupacken. Am Anfang hat es nach Ulis Rückkehr zwischen den beiden Alphatieren nach eigenen Aussagen ein wenig geruckelt. Nun ist das vorbei, und es läuft wieder.

Bei Philipp Lahm hat es Bayern nicht geschafft, ihn von dem Sprung aus den kurzen Hosen in die Chefetage zu überzeugen.

Es war wohl zu früh, es passte halt nicht. Aber Rummenigge und Hoeneß haben immer gesagt, dass die Türen seines FC Bayern für ihn weiterhin offen stehen. Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. Ich bin mit Philipp Lahm wegen seiner Stiftung für Sport und Bildung in gutem Kontakt und verfolge seinen Weg als Unternehmer, bei dem er sehr viele Interessen zeigt. Er ist einer der größten Fußballer, die Deutschland hervorgebracht hat, vielfältig interessiert.

Sport Bild