Berliner Arzt vor seiner Praxis erschossen



Berlin – Martin D. (67) wollte Menschen helfen, ein Arzt aus Leidenschaft. Doch sein eigenes Leben konnte niemand retten. Martin D. starb am Freitagabend in einem Gewerbehof in Berlin-Marienfelde, nur wenige Meter von seiner Arztpraxis entfernt. Er wurde erschossen.

► Mehrere Kugeln sollen den 67-Jährigen vor dem Hintereingang seiner Praxis getroffen haben. Zeugen haben die Schüsse deutlich gehört. Eine Frau fand dann den schwer verletzten Mann gegen 19.30 Uhr. Doch der Notarzt konnte kurze Zeit später nur noch den Tod feststellen.

Am Samstagvormittag lag das Gelände an der Malteserstraße ruhig da. Menschen gingen zur benachbarten Postfiliale, Spaziergänger trugen ihren Wocheneinkauf in Baumwolltaschen nach Hause. Außer dem Polizeiauto auf dem Bürgersteig wies nichts mehr darauf hin, dass vor wenigen Stunden an diesem Ort ein grauenhaftes Verbrechen geschehen war.

Marina H. (59) ist eine Freundin von Martin D., kennt ihn seit über 30 Jahren. „Wir waren gestern Abend, um halb acht, verabredet“, sagt sie. „Aber er kam nicht. Er hat mich noch nie versetzt. Er hatte mich noch einen Tag vorher angerufen um zu fragen, ob es dabei bleibt.“

D. sei in der Vergangenheit Marathon gelaufen, die Praxis hatte er seit über 20 Jahren. Dort arbeitete er als Internist und Betriebsarzt, auch für die benachbarte Caritas-Sozialstation. Neben seiner Tätigkeit als Hausarzt hatte er auch Fortbildungen für Akupunktur und psychosomatische Grundversorgung abgeschlossen.

„Normal geht er immer durch den Vordereingang in die Praxis und nicht durch den Hintereingang“, sagt Marina H., die als Bestatterin arbeitet. Ob er in der Vergangenheit von Problemen in seinem Patientenumfeld berichtet hat? „In den 20 Jahren gab es zwei Sachen, bei denen er Probleme mit Patienten hatte. Aber das ist ewig her“, sagt sie. „Das waren Drogenleute, die ihre Rezepte wollten.“

Auch das Auto von D., ein blauer BMW-Geländewagen, stand am Samstag noch im Innenhof, etwa zehn Meter von dem Ort entfernt, an dem sein Halter starb. Auf der Rückbank: ein Arztkoffer. Daneben eine Landkarte der Toskana.

Seine Arztpraxis hatte D. in Marienfelde, privat lebte er in einem schicken Altbau in Friedenau. Laut eines Nachbarn bewohnte er alleine eine Eigentumswohnung im zweiten Stock.

Bild Zeitung