Cattenom-Direktor: "Es gibt kein Sicherheitsproblem"



Eigentlich wollte der Direktor der Kernkraftanlage Cattenom nur die Produktionsbilanz 2017 vorstellen. Doch die Themen Sicherheit und Greenpeace standen dann doch im Vordergrund.

36,73 Milliarden Kilowattstunden Strom hat die Atomzentrale Cattenom im Laufe des Jahres 2017 produziert, das sind rund zehn Prozent der gesamten nuklearen Stromproduktion Frankreichs, 80 Prozent der Region Grand-Est. Die Produktion hätte noch höher liegen können, wenn am 19. Mai nicht einer der Transformatoren ausgefallen wäre. Er wurde im Juli vergangenen Jahres ausgetauscht, der Reaktor Nummer eins musste deswegen 49 Tage lang gestoppt werden. Insgesamt wurde der Reaktor wegen geplanter Unterhaltsarbeiten zwei weitere Male heruntergefahren.

Verlängerung der Laufzeit

Was die Sicherheit betrifft, so wurden insgesamt 52 Zwischenfälle gezählt, 48 davon fielen in die niedrigste Risikostufe 0, zwei weitere in die Stufe eins. Zwei Zwischenfälle der Stufe zwei betrafen die Erdbebensicherheit des gesamten französischen Reaktorparks. Durch bauliche Maßnahmen konnten diese Unregelmässigkeiten aber korrigiert werden. Mit einer Rate von 1,9 auf eine Million geleisteter Arbeitsstunden sei die Zahl der Arbeitsunfälle extrem gering, so Thierry Rosso, Leiter der Zentrale. Auch die durchschnittliche Strahlenbelastung der Mitarbeiter sei mit 0,278 Millisievert sehr niedrig. Ein Scan der Bauchhöhle zum Beispiel belaste den Menschen mit rund 10 Millisievert.

Zurzeit laufen die Arbeiten am sogenannten "grand carenage": Damit soll die Laufzeit der mittlerweile 32 Jahre alten Zentrale weiter verlängert werden. Im Rahmen der Post-Fukushima Maßnahmen werden zudem weitere Not-Dieselgeneratoren installiert. Sie sollen einspringen,wenn die beiden bereits vorhandenen Notdiesel bei katastrophalen Ereignissen versagen. Die Kosten allein für diese Maßnahmen belaufen sich auf 120 Millionen Euro.
83 Anomalien bei Bauteilen

Am 22. Februar veröffentlichte EDF auf Bestreben der Autorité de surete nucléaire ASN eine Liste der Reaktorbauteile, welche Abweichungen zu den Auflagen zeigten. Es handelt sich um Bauteile, welche im Werk Creusot Forge hergestellt wurden. Am meisten betroffen war der Reaktor Nummer eins in Cattenom. Laut ASN wurden bei 30 Bauteilen 83 Anomalien und 17 Konformitätsabweichungen festgestellt. Darauf angesprochen meinte Rosso, keine dieser Anomalien hätte einen Einfluss auf das einwandfreie Funktionieren der einzelnen Bauteile.

Ein Thema war aber auch die Greenpeace Aktion vom 11. Oktober. Umwelt-Aktivisten gelangten über den Absperrzaum auf das Gelände der Zentrale und konnten in der Nähe des Reaktorgebäudes ein Feuerwerk abschießen. Laut Thierry Rosso sei die Aktion unverantwortlich gewesen, aber die Sicherheistmaßnahmen hätten gegriffen. " Hätten wir schießen sollen?", so Rosso. "Nein, wir leben in Frankreich. Und wir haben ein Konzept, das ausdrücklich vorsieht, dass die Lage erst eingeschätzt wird bevor wir aktiv werden". Laut Rosso habe die Aktion nichts bewiesen, zu keinem Zeitpunkt hätten die Aktivisten eine kritische Zone betreten. das Sicherheitskonzept habe auch nicht angepasst werden müssen. Rosso musste dann doch zugeben, dass der äußere der drei Zäune künftig ebenfalls mit Sensoren ausgestattet werden würde. "Das wurde bereits vor der Aktion beschlossen und ist Teil unseres permanent weiterentickelten Sicherheitskonzeptes", so Rosso. Die Greenpeace-Aktion bezeichnete Rosso mit dem ihm eigenen Humor übrigens EMS: événement médiatique significatif.

Luxemburger Wort