Vettel rast auf Pole – Hamilton nur Vierter




Sebastian Vettel greift ausgerechnet auf Lewis Hamiltons Paradestrecke in Montreal nach seinem Jubiläumssieg in der Formel 1. Der Ferrari-Star sicherte sich in einem rasanten Qualifying am Samstag die Pole Position zum Großen Preis von Kanada und hat damit beste Chancen auf seinen 50. Karriere-Erfolg. Zudem steht er in der Startaufstellung deutlich vor seinem großen Rivalen: WM-Spitzenreiter Hamilton im Mercedes musste sich mit Position vier begnügen.

„Ich bin sehr glücklich, auch für die vielen Ferrari-Fans an der Strecke”, sagte Vettel: „Wir hatten am Freitag noch Probleme, ich habe einfach keinen Rhythmus gefunden. Aber heute bin ich mit dem richtigen Fuß aufgestanden, und das Auto war sehr gut.”

In einer bunten und damit höchst spannenden Startaufstellung steht er vor Hamiltons Teamkollegen Valtteri Bottas und dem zuletzt viel gescholtenen Red-Bull-Piloten Max Verstappen. Vettel liegt in der WM-Wertung 14 Punkte hinter Hamilton.

Die Vielfalt an der Spitze dürfte dem Rennen gut tun, zuvor war der Circuit Gilles Villeneuve seit vier Jahren fest in Mercedes-Hand gewesen. Allerdings ist ein Ferrari auf der Kanada-Pole nicht nur deshalb sehr ungewöhnlich: Schon seit 2001 hatte in Montreal kein rotes Auto mehr ganz vorne im Grid gestanden, Michael Schumacher gelang dies zuletzt für die Scuderia.

Hinter Hamilton wird am Sonntag (20.10 Uhr MESZ/RTL) nun der Finne Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari vom fünften Platz starten. Auf Rang sechs steht Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo, den guten siebten Startplatz sicherte sich Nico Hülkenberg im Renault.

Die Jagd nach dem Kanada-Rekord von Michael Schumacher wird für Hamilton damit ein hartes Stück Arbeit, nicht nur wegen Startplatz vier. Mit seinem siebten Montreal-Sieg könnte er am Sonntag die Bestmarke des deutschen Rekordweltmeisters erreichen. Allerdings zeigte sich schon im Qualifying, dass der Verzicht auf ein Antriebs-Upgrade wohl der befürchtete Nachteil für die Silberpfeile ist.

Anders als Ferrari und Red Bull kann Mercedes noch nicht auf die neue Ausbaustufe seiner Power-Units setzen. Vor dem Rennwochenende war ein „Qualitätsproblem” festgestellt worden, der neue Antrieb soll nun erst beim kommenden Rennen in Frankreich in die Autos.

Auf der vermeintlichen Mercedes-Strecke in Montreal könnte Vettel damit einen Big Point landen. Seit zwei Monaten warten er und Ferrari auf einen Erfolg, obwohl das Auto auf den meisten Strecken siegfähig war. Viel Pech und die ein oder andere unglückliche Strategieentscheidung kosteten jedoch Punkte.

Red Bull konnte seinen hervorragenden Start ins Wochenende im Qualifying nicht ganz bestätigen, Verstappen hatte in den freien Trainings stets die Bestzeit gesetzt. Dennoch rechnen sich die Ex-Weltmeister für das Rennen einiges aus. „Wir haben ein sehr gutes Auto für den Sonntag”, sagte Teamchef Christian Horner, „das Ergebnis ist daher in Ordnung für uns.”

Verstappen könnte damit endlich einen Befreiungsschlag setzen. Der Niederländer fiel in diesem Jahr hauptsächlich durch Unfälle und Fehler auf und wurde dafür heftig kritisiert, er benötigt dringend starke Ergebnisse.


Sport Bild