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Notícias „Im Radsport wird nichts verziehen“: Michel Ries beendet mit 27 Jahren seine Karriere

Roter.Teufel

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„Im Radsport wird nichts verziehen“: Michel Ries beendet mit 27 Jahren seine Karriere

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Mit 27 Jahren beendet Michel Ries seine Karriere. Der Radsportler, dessen letztes Team Arkéa B&B-Hotels sich aufgelöst hat, hat keinen passenden neuen Vertrag erhalten. Im Gespräch mit dem Tageblatt blickt er auf seine Karriere zurück.

Tageblatt: Michel Ries, am Donnerstag haben Sie Ihr Karriereende bekanntgegeben. Wie sieht Ihre Gefühlswelt aus?

Michel Ries: Ich habe das nicht erst heute (Donnerstag) entschieden. Das hat sich längerfristig entwickelt und auch die Leute, die enger um mich herum sind, wussten das schon etwas länger. Es ist natürlich speziell, dass es nun öffentlich ist. Aber das Ganze hat sich über die letzten Wochen angebahnt.

Schon bei der Tour de Luxembourg im September sagten Sie im Gespräch mit dem Tageblatt, dass sie nicht wüssten, wie es weiterginge. Wie verliefen für Sie die letzten Monate?

Es hatte sich schon im Sommer angedeutet, dass das Team nicht mehr weitermacht. Bei der Tour de Luxembourg sah es schlecht aus und da hat man sich schon seine Gedanken gemacht. Es war insgesamt eine schwere Situation im ganzen Radsport. Da musste man sich schon konkret überelgen, was passieren würde, wenn man nächstes Jahr kein Vertrag mehr hat. Bei mir hat sich nichts Konkretes ergeben und über die Wochen habe ich gemerkt, dass 2025 mein letztes Jahr als Radsportler sein würde.

Gab es für Sie keine Optionen, um weiterzumachen?

Wir haben bis Ende November gesucht. Aber irgendwann muss man realistisch sein und merken, dass die Chancen schlecht stehen. Arkéa B&B-Hotels löst sich auf und Lotto und Intermarché fusionieren: Das macht sofort 60 Plätze weniger in der WorldTour. Zudem hatte ich nicht die beste Saison. Im Radsport wird aber nichts verziehen. Dazu kommt, dass ich 27 bin und nicht mehr 21. Im modernen Radsport hat man mit 27 schon ein gewisses Alter. Ich wollte aber auch nicht um jeden Preis weiter Rad fahren. Das neue Team hätte eins sein müssen, das zu mir passt. Als ich in China gestartet bin (Tour of Guangxi vom 14. bis zum 19. Oktober), wusste ich eigentlich schon, dass das mein letztes Profi-Rennen sein könnte.

Wie schwer ist Ihnen dann die endgültige Entscheidung gefallen, Ihre Karriere zu beenden?

Es gab keinen spezifischen Moment, es war eher ein schleichender Prozess. Es ist mir aber nicht schwergefallen. Der Radsport war immer ein Teil meines Lebens und meine große Leideschaft. Aber ich habe auch die harten Seiten des Sports kennengelernt. Das sehen die meisten Zuschauer vor dem Fernseher nicht. Die sehen nur, wenn man mal vorne mitfährt. Aber es ist nicht immer so einfach, wie es aussieht. Irgendwann kommen dann die Gedanken, ob man das noch alles machen will und ob es das noch Wert ist.

Sie hatten in Ihrer Karriere die Rolle des Helfers. Das erschwert sicherlich, einen Vertrag zu finden, weil man keine Resultate einfahren kann, oder?

Es ist sicher einfacher, Verträge zu bekommen, wenn man Rennen gewinnt. Aber man braucht auch ein Rennprogramm, das auf einen angepasst ist. Ich bin die letzten Jahre immer ein komplettes WorldTour-Programm gefahren. Wir waren eben Teil der WorldTour und waren in der Leistungsdichte nicht so eng aufgestellt. In den letzten zwei Jahren bin ich drei Grand Tours gefahren. Das ist dann kompliziert, auf diesem Niveau Ergebnisse herauszufahren.

Was nehmen Sie vom Radsport mit?

Ich behalte sehr gute Erinnerungen zurück. Ich habe viel gelernt und hatte eine tolle, aber auch harte Zeit. Ich habe viele gute Freunde im Radsport kennengelernt und viel mit ihnen erlebt. Es war ein Privileg, das alles so erleben zu dürfen. Ich bin durch die Welt gereist und durfte dabei Rad fahren. Ich bin auch die größten Rennen der Welt gefahren und bin dafür sehr dankbar.

Was sind für Sie die Highlights Ihrer Karriere?

Die großen Rennen bleiben hängen. Auch Olympia in Tokio ist ein Höhepunkt, auch wenn es sportlich nicht so gut lief wie erhofft (hatte Magenprobleme und wurde 73.). Die Grand Tours bleiben auch in Erinnerung, auch wenn ich da viel gelitten habe. Aber auch die Momente mit dem Team waren schön. Wir haben viel zusammen erlebt, mit einer tollen Truppe.

Bereuen Sie, etwas nicht getan zu haben?

Ich wäre gerne noch ein paar Jahre gefahen, als Sportler will man immer mehr. Eine Tour de France wäre sicher cool gewesen oder andere große Rennen. Aber ich will nicht zurückschauen und was bereuen. Ich bin froh mit meiner Karriere, so wie sie war. Ich blicke positiv zurück und beschäftige mich nicht mit „hätte“ und „was wäre wenn ...“.

Normalerweise müssten Sie im Januar bei diesen widrigen Bedingungen trainieren. Tut es gut, bei dem Wetter auch mal drinnen bleiben zu können?

Ich habe die letzten Monate schon genossen. Ich konnte im Winter entspannen. Es ist nicht schlecht, wenn man bei dem Wetter nicht aufs Rad steigen muss. Aber auch die Feiertage konnte ich mit Familie und Freunden viel lockerer angehen. Es geht in kein Trainingslager und ich muss auch nicht nach Australien zu Rennen. Ich habe gemerkt, dass das Kapitel abgeschlossen ist, und jetzt startet ein neues.

Wie geht es für Sie weiter?

Ich fange ein Wirtschafts-Studium an. Darauf werde ich mich konzentrieren. Dann bleibe ich offen, was in Zukunft noch passiert. Viel mehr Gedanken habe ich mir noch nicht gemacht. Sport wird immer ein Teil von mir bleiben und den Radsport werde ich weiter verfolgen. Ich werde auch in der Woche noch ein paar Mal aufs Rad steigen. Ich werde immer mit dem Radsport verbunden bleiben.

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