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- Out 5, 2021
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Kolumne „Meine Bayern“:
Der größte Feind der Bayern ist …
„Meine Bayern“ heißt die Kolumne von SPORT BILD-Reporter-Legende Raimund Hinko, die sich mit dem deutschen Rekordmeister befasst. Hinko begleitet den FC Bayern seit Jahrzehnten.
Lieber Joshua Kimmich,
selten habe ich einen Comic so genossen wie zuletzt die „Fußballgötter“ in der „Süddeutschen“. Da sinniert Trainer Vincent Kompany, zerknirscht und vergrämt mit tiefen Sorgenfalten: „Elf Punkte Vorsprung … Ich frag mich, wie ich die Spieler dazu kriege, den Rest der Saison alles zu geben.“ Da kommst Du, der Kapitän, bzw. Vizekapitän, ins Bild, brüllst mit Schaum vorm Mund in voller Lautstärke Dinge wie: „Wenn ihr den Rest der Saison nicht alles gebt, reiß’ ich euch die Eier ab (geschwärzt) und schieb sie euch in euren Hintern (wieder geschwärzt), ihr Vollidioten (nochmal geschwärzt)!!! Kompany ist nun ziemlich verwirrt und sagt: „Ich frag’ mal die Ärzte: ‚Was gebt ihr dem Kimmich eigentlich, um ihn auf dieses Level zu bringen?‘“ Die antworten, ohne lange zu zögern: „Beruhigungs-Pillen …“ Hahaha, selten so gelacht.
Nein, bloß nicht ausweichen, lieber Joshua Kimmich. Dieser Comic kommt der Wahrheit verdammt nahe. Beruhigungs-Pillen sind vielleicht übertrieben. Doch schon in jüngsten Jahren warst Du – geboren in Rottweil, wo die gefürchteten Hunde herkommen – beim VfB Stuttgart und beim RB Leipzig der Wortführer. Bist bei den Bayern gleich mit Manuel Neuer, dem Kapitän also, zum Essen gegangen, hast die Lage gepeilt. Du, der komplette, nicht allzu große vierfache Familienvater, bist ein Segen für den FC Bayern.
Selten seit Paul Breitners Zeiten in den 70ern haben die Bayern so einen meinungsstarken Leader gehabt unter all den Wortführern wie Karl-Heinz Rummenigge, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Phillip Lahm, Sepp Maier, Oliver Kahn, Arjen Robben. Den willensstarken Edeltechnikern wie gegenwärtig Michael Olise (obwohl extern besonders verschwiegen), Luis Diaz, Serge Gnabry. Oder solch einem unumstrittenen Boss wie Harry Kane.
Nach Breitner bist Du, lieber Joshua vielleicht der Lautstärkste, der Verbissenste. Auch wenn diese Spielertypen, die neben dem Talent vom Willen leben, nicht immer den besten Tag haben – von so einem wie Dir lebt, bei allen Formschwankungen, die Mannschaft. An solch einem Typus von Mensch hängt die Form launischer Diven ab. Vielleicht sogar die denkwürdigen Entscheidungen, die Schiedsrichter Christian Dingert beim 1:1 in Leverkusen getroffen hat. Nicht jeder zeigt gegen die Bayern zweimal Rot …
Ich könnte bei den Fans jetzt Sympathie-Punkte sammeln, wenn ich die Frage stelle: Wer ist der größte Feind des FC Bayern? Wer kann jetzt noch die Meisterschaft gefährden – und sie mit „der Schiedsrichter natürlich“ beantworte. Die Fans haben da eine klare Meinung. Vielleicht sagt sich ja doch der ein oder andere Unparteiische in Grenzfällen, den Bayern könne er sowieso nicht mehr schaden, wenn er gegen sie entscheidet. Doch das ist Blödsinn, glaube ich. Auch wenn jetzt im SZ-Comic, der am Spieltag erschien, nur noch neun Punkte Vorsprung stehen dürften, da der BVB gegen Augsburg 2:0 siegte.
Also nein, nicht die Schiedsrichter. Am meisten kann man Bayern schaden, wenn Du, aus welchen Gründen auch immer fehlst, lieber Joshua Kimmich. Du, das Herz, Du, der Motor – Harry Kane mal mit erwähnt. So stark die Mannschaft auch sein mag, ohne Euch beide stottern beide, das Herz, der Motor.
Also aufpassen, liebe Schiedsrichter, wenn einer besonders hart zutritt gegen den Rottweiler. Du musst dann ganz laut brüllen, lieber Joshua Kimmich – damit es auch jeder hört und sieht, wenn Dich der Gegner trifft.
Ich freu’ mich jetzt auf die Champions League, wo der völlig überschätzten, weit überbezahlten Premier League, so wie ich schon 2024 in ihrer sogenannten Glanzzeit schrieb, die Grenzen aufgezeigt werden, fast allen Klubs, sogar Pep Guardiola. Ich meine nicht nur das 0:3, gefühlte 0:5, von Man City bei Real Madrid. Sogar Tabellenführer Arsenal. Nach dem 1:1 gegen Leverkusen meinte Brightons Coach Fabian Hürzeler, das sei kein Fußball, reduziere sich auf Eckbälle (das kannst Du, lieber Joshua, mittlerweile genauso gut). Chelsea ging in Paris 2:5 unter. Und Liverpool verlor bei Gala Istanbul – fast schon normal – 0:1. Immerhin schaffte Newcastle gegen Hansi Flicks FC Barcelona ein 1:1. Das 2:5 von Tottenham bei Atlético Madrid war schon keine Überraschung mehr.
Nach einem kleinen Hoch der Engländer im Vorjahr herrscht jetzt wieder die blanke Ohnmacht … Immerhin können sie ein bisschen mehr Spannung als sie Bayern nach dem 6:1 gegen Atalanta Bergamo bieten. Ganz schön clever, lieber Joshua, dass Du Gelb-gesperrt bist – also frei für die Gala im Bernabeu-Stadion im April gegen Real Madrid. Es sei denn, die Bayern kollabieren im Rückspiel ohne Dich. Das ginge dann doch zu weit.
Übrigens: Der Vertrag mit Manuel Neuer muss verlängert werden. Auch wenn der gute alte Sven Ulreich nie den Eindruck machte, als sei er hinter Jonas Urbig nur eine Nummer drei.
Sport Bild
Der größte Feind der Bayern ist …
„Meine Bayern“ heißt die Kolumne von SPORT BILD-Reporter-Legende Raimund Hinko, die sich mit dem deutschen Rekordmeister befasst. Hinko begleitet den FC Bayern seit Jahrzehnten.
Lieber Joshua Kimmich,
selten habe ich einen Comic so genossen wie zuletzt die „Fußballgötter“ in der „Süddeutschen“. Da sinniert Trainer Vincent Kompany, zerknirscht und vergrämt mit tiefen Sorgenfalten: „Elf Punkte Vorsprung … Ich frag mich, wie ich die Spieler dazu kriege, den Rest der Saison alles zu geben.“ Da kommst Du, der Kapitän, bzw. Vizekapitän, ins Bild, brüllst mit Schaum vorm Mund in voller Lautstärke Dinge wie: „Wenn ihr den Rest der Saison nicht alles gebt, reiß’ ich euch die Eier ab (geschwärzt) und schieb sie euch in euren Hintern (wieder geschwärzt), ihr Vollidioten (nochmal geschwärzt)!!! Kompany ist nun ziemlich verwirrt und sagt: „Ich frag’ mal die Ärzte: ‚Was gebt ihr dem Kimmich eigentlich, um ihn auf dieses Level zu bringen?‘“ Die antworten, ohne lange zu zögern: „Beruhigungs-Pillen …“ Hahaha, selten so gelacht.
Nein, bloß nicht ausweichen, lieber Joshua Kimmich. Dieser Comic kommt der Wahrheit verdammt nahe. Beruhigungs-Pillen sind vielleicht übertrieben. Doch schon in jüngsten Jahren warst Du – geboren in Rottweil, wo die gefürchteten Hunde herkommen – beim VfB Stuttgart und beim RB Leipzig der Wortführer. Bist bei den Bayern gleich mit Manuel Neuer, dem Kapitän also, zum Essen gegangen, hast die Lage gepeilt. Du, der komplette, nicht allzu große vierfache Familienvater, bist ein Segen für den FC Bayern.
Selten seit Paul Breitners Zeiten in den 70ern haben die Bayern so einen meinungsstarken Leader gehabt unter all den Wortführern wie Karl-Heinz Rummenigge, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Phillip Lahm, Sepp Maier, Oliver Kahn, Arjen Robben. Den willensstarken Edeltechnikern wie gegenwärtig Michael Olise (obwohl extern besonders verschwiegen), Luis Diaz, Serge Gnabry. Oder solch einem unumstrittenen Boss wie Harry Kane.
Nach Breitner bist Du, lieber Joshua vielleicht der Lautstärkste, der Verbissenste. Auch wenn diese Spielertypen, die neben dem Talent vom Willen leben, nicht immer den besten Tag haben – von so einem wie Dir lebt, bei allen Formschwankungen, die Mannschaft. An solch einem Typus von Mensch hängt die Form launischer Diven ab. Vielleicht sogar die denkwürdigen Entscheidungen, die Schiedsrichter Christian Dingert beim 1:1 in Leverkusen getroffen hat. Nicht jeder zeigt gegen die Bayern zweimal Rot …
Ich könnte bei den Fans jetzt Sympathie-Punkte sammeln, wenn ich die Frage stelle: Wer ist der größte Feind des FC Bayern? Wer kann jetzt noch die Meisterschaft gefährden – und sie mit „der Schiedsrichter natürlich“ beantworte. Die Fans haben da eine klare Meinung. Vielleicht sagt sich ja doch der ein oder andere Unparteiische in Grenzfällen, den Bayern könne er sowieso nicht mehr schaden, wenn er gegen sie entscheidet. Doch das ist Blödsinn, glaube ich. Auch wenn jetzt im SZ-Comic, der am Spieltag erschien, nur noch neun Punkte Vorsprung stehen dürften, da der BVB gegen Augsburg 2:0 siegte.
Also nein, nicht die Schiedsrichter. Am meisten kann man Bayern schaden, wenn Du, aus welchen Gründen auch immer fehlst, lieber Joshua Kimmich. Du, das Herz, Du, der Motor – Harry Kane mal mit erwähnt. So stark die Mannschaft auch sein mag, ohne Euch beide stottern beide, das Herz, der Motor.
Also aufpassen, liebe Schiedsrichter, wenn einer besonders hart zutritt gegen den Rottweiler. Du musst dann ganz laut brüllen, lieber Joshua Kimmich – damit es auch jeder hört und sieht, wenn Dich der Gegner trifft.
Ich freu’ mich jetzt auf die Champions League, wo der völlig überschätzten, weit überbezahlten Premier League, so wie ich schon 2024 in ihrer sogenannten Glanzzeit schrieb, die Grenzen aufgezeigt werden, fast allen Klubs, sogar Pep Guardiola. Ich meine nicht nur das 0:3, gefühlte 0:5, von Man City bei Real Madrid. Sogar Tabellenführer Arsenal. Nach dem 1:1 gegen Leverkusen meinte Brightons Coach Fabian Hürzeler, das sei kein Fußball, reduziere sich auf Eckbälle (das kannst Du, lieber Joshua, mittlerweile genauso gut). Chelsea ging in Paris 2:5 unter. Und Liverpool verlor bei Gala Istanbul – fast schon normal – 0:1. Immerhin schaffte Newcastle gegen Hansi Flicks FC Barcelona ein 1:1. Das 2:5 von Tottenham bei Atlético Madrid war schon keine Überraschung mehr.
Nach einem kleinen Hoch der Engländer im Vorjahr herrscht jetzt wieder die blanke Ohnmacht … Immerhin können sie ein bisschen mehr Spannung als sie Bayern nach dem 6:1 gegen Atalanta Bergamo bieten. Ganz schön clever, lieber Joshua, dass Du Gelb-gesperrt bist – also frei für die Gala im Bernabeu-Stadion im April gegen Real Madrid. Es sei denn, die Bayern kollabieren im Rückspiel ohne Dich. Das ginge dann doch zu weit.
Übrigens: Der Vertrag mit Manuel Neuer muss verlängert werden. Auch wenn der gute alte Sven Ulreich nie den Eindruck machte, als sei er hinter Jonas Urbig nur eine Nummer drei.
Sport Bild
